ILF Fuck-
Zittauer Gebirge 2010
Wo der Durst am schönsten ist
von Stefan Littmann
„Voltaire: „Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen glücklich zu sein!“
Für das gesamte ILF-Team. Danke, dass ihr immer an mich geglaubt habt.
Teilnehmer: Alex - Reiseleitung
Dietmar - Koch
Marc - Fahrer
Christian - Beikoch
Stefan - Medien
Ingo - Frühstückskoch
Reisezeit: 27.10.2010 – 31.10.2010
Reiseroute: Zittau, mit der Dampflok nach Jonsdorf, Krompach, Hermanice, Petrovice, Lückendorf, Oybin, mit der Dampflok wieder zurück nach Zittau
Die. 26.10.
Jeden Oktober ziehen sich die Pflanzensäfte langsam in den Stamm zurück. Der Baum verkorkt die Löcher an den Blattstielen. Die Blätter verfärben sich und fallen ab.
Jeden Oktober streichen die Novizen die Wände des Yung- Zhan-Lin-Tempels im
bergigen Nordyunnan.
Jeden Oktober findet in Bockenheim der pfälzische Mundartdichterwettstreit statt.
Und jeden Oktober unternimmt ILF eine Herbstwanderung. Schön, dass es noch solche Beständigkeit in unserer schnelllebigen und chaotischen Zeit gibt. Ein Stück Sicherheit, auf dass man sich verlassen kann.
Diesmal soll es ins Zittauer Gebirge gehen. Und dazu treffen wir uns einer alten Tradition folgend einen Tag vorher im Hauptquartier. Damit man noch eine Nacht länger im kalten schlafen kann. Denn im Bretterverschlag ohne Heizung ist es nicht viel wärmer als draußen. Um es dennoch auszuhalten kochen wir uns dieses Jahr ein leckeres Chili. Der Reiseleiter nennt einen großen Herdentopf sein eigen und mit dem am ebenfalls brennenden Lagerfeuer zu kochen macht richtig Laune. Aber die kann auch wieder vom reichlich, natürlich vor dem Essen, dar gebotenen Obstbrand kommen. Da wir diesmal keinen so engen Zeitplan haben, können wir noch ein Stündchen länger am Feuer sitzen. Am nächsten morgen soll es erst um 08.00 Uhr losgehen.

Mi. 27.10.
Um 07.00 ist Wecken angesagt. Unser mittlerweile bewährter Frühstückskoch macht sich auf den Weg zur dicken Bäckerin und wir anderen versuchen dem frühen Morgen irgendetwas gutes abzugewinnen. Nach einer ersten Schrippe geht es um 08.00 Uhr mit unserem T4-Boliden Richtung Süden. Im Auto werden die tagesaktuellen Themen der Bild-Zeitung diskutiert, die da sind: „Polizei befreit nackte Hure aus Schrank von Charlie Sheen“. Donnerwetter, der Typ weiß wie man mit Frauen umgeht. Außerdem bewundern wir in einer Werbezeitung für die Zittauer Region eine Anzeige für ein Wellness-Bad. Wenn man nach dem Foto einer jungen Dame geht könnte man meinen die bieten dort Ejakulat-Anwendungen an. Interessante Vorstellung. Aber auch so triviales wie „welcher Baum passt am besten in Ingo´s Garten“ (auch er ist, wie Dietmar unter die Laubenpieper gegangen) wird ausgiebig diskutiert. Es geht also nicht nur um Sex und Crime bei uns. Dietmar prahlt mal wieder mit seinem sehr guten Englisch, alleine wie er das th (thi äitsch) ausspricht. Ein Engländer könnte es nicht besser. Manchmal sind auch wir nur normale Menschen die einfach nur glücklich sein wollen. Und normale Menschen verpassen auch schon mal einen Zug. Da die Strecke über Großpostwitz und Ebersbach so dermaßen gut ausgebaut ist (manchmal hat man das Gefühl im Jahr 1990 zu sein) dauern die paar Kilometer dann doch so lange, dass wir den geplanten Zug (die Dampfbetriebene Zittauer Schmalspurbahn) in Bertsdorf verpassen. Also dem Zug im Auto hinterhergefahren und in Zittau haben wir ihn dann auch schon eingeholt. Da haben wir dann aber wieder soviel Zeit, dass im nahen Hotel noch ein Mittag und ein Radeberger verhaftet werden kann. Dann geht es mit Volldampf in Richtung Jonsdorf. Da wir die einzigen Fahrgäste sind und der Schaffner anscheinend auf Provisionsbasis arbeitet, zahlen wir stolze 37,80 für 5 Stationen. Da wir Schlaufüchse sind, haben wir das Abteil genommen, das am dichtesten am Speisewagen liegt. Denn was gäbe es schöneres als diesen Moment mit einem kühlen Pils zu genießen. Dann gilt es umzusteigen. Ja die 5 Stationen sind dann noch mal mit umsteigen. Es lohnt also kaum den Rucksack abzunehmen vom Austrinken eines halben Liters ganz zu schweigen. Also noch mal rausgerammelt aus dem Zug und wieder rein in den nächsten. Mit dem geht es dann noch mal immerhin 2 Stationen bis Jonsdorf. Da wir heute noch in Deutschland nächtigen wollen, hat unser allseits weiser Reiseleiter in einer Alpenvereinshütte ein Matratzenlager für uns reservieren lassen. Dort haben wir sogar die Möglichkeit zu grillen. Was wir dann auch später noch machen. Aber zuerst gilt es noch einen Berg zu erklimmen. Wir wollen auf den Nonnenfelsen, diesen kann man über einen normalen Wanderweg erklimmen oder man nimmt, ganz alpin, den Klettersteig. Also ein mit einem Stahlseil gesicherter Weg, der auch schon mal an einer senkrechten Wand hinaufgeht. Man sollte also schwindelfrei sein. Diese Aufgabe wird von ILF hervorragend gemeistert. Sind wir doch ein eingespieltes Team, wenn es um die Bewältigung unmöglicher Aufgaben geht. Als Beweis tragen wir uns ins Gipfelbuch ein. Rischtisch geil. Am Ende des Klettersteigs wartet das Berggasthaus Nonnenfelsen auf uns mit einem, wie könnte es anders sein, Gipfelpils. Der allseits Weise Reilei inkludiert noch einen Becherovka und im Schein der langsam untergehenden Sonne genießen wir den Ausblick von den Nonnenfelsen. Diesen Namen tragen sie laut einer Sage, weil 2 Nonnen in alter Zeit zu ihrem Leid der irdischen Liebe verfielen und zur Strafe zu Stein wurden. Die ärmsten. Ganz schön hoher Preis für ein Mal dürfen. Wir dürfen auch, und zwar gehen. In unserer Hütte soll ja noch etwas Schwein gekokelt werden. Um 16.30 Uhr wird mit Pils und Becherovka die Hütte eingeweiht und dann gilt es draußen den Grill aufzubauen. Der Koch erschreckt uns heute mit Parmak-Sucuk. Eine türkische Knoblauchwurst. Die schmeckt recht lecker, nur wenn man danach ein Bäuerchen macht, fallen alle tot um. Sogar Chuck Norris würde tot umfallen, wenn man ihn anrülpst. Das Prädikat „vom Feuer geküsst“ erhält heute durch unseren Koch eine ganz spezielle Note. Sind doch die Würste und auch der Rest außen schön schwarz und innen, na innen sind wir ja sowieso alle rosa. Man hätte uns anstatt des Grills auch einen Flammenwerfer hinstellen könne. Das Abendbrot hätte ähnlich ausgesehen. Nachdem alle pickepacke voll sind, weil reichlich Nachschlag auch ohne ausdrücklichen Wunsch gereicht wird, begeben wir uns wieder in die Hütte. An der frischen Luft sind wir ja noch genug. Unser omnipräsente, omnipotente und immer wieder für Überraschungen gute Reiseleiter möchte uns aber nicht einfach so in die Matratzenlager schicken. Eine alte Tradition brechend, holt er heute mal nicht die Mäxchenwürfel raus, sondern „6 Nimmt“. Ein Kartenspiel. Das wird von uns natürlich wohlwollend aufgenommen und so spielen wir fast bis zum Morgengrauen (22.00 Uhr, ist für uns praktisch Morgengrauen) wobei wir unsere Getränkelast um einige Blechdosen erleichtern, um dann müde die Treppe hoch zu wackeln. Wenn nur nicht zwischendurch immer wieder diese „Bäuerchen“ nach der Sucuk wären. Die Dinger stinken so barbarisch, das man am liebsten aus dem Raum rennen möchte.


















Do. 28.10.
Um Null Achthundert (für die ungedienten: 8 Uhr morgens) gibt es Frühstück. Unser Frühstückskoch verwöhnt uns wieder mit Frühstücksei und allem was zur wichtigsten Mahlzeit des Tages dazugehört. Ich sehe frische Äpfel, Paprika, Salami, Sliwowitz, Käse… Moment….zurück, Sliwowitz? Und da kommt wieder die Allmacht des Reiseleiters ins Spiel. Ist er doch der Meinung, dass ein Aperitif in Form eines Schnapses vor dem Frühstück unsere müden Knochen schnell wieder auf Betriebstemperatur bringt. Recht hat er! Na gut, das musste ich jetzt schreiben. Will ja nicht wegen Widerrede einen meiner wertvollen Punkte im ILF-System verlieren. Wer weiß, für was ich die später mal eintauschen kann. Sind die eigentlich genauso viel wert, wie Pupsi-Punkte? Um 9.30 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Tschechien. Die Grenze ist hier nur einen Büchsenbierwurf entfernt und so gehen wir über die Jonsdorfer Felsenstadt Richtung Osten. Die Grenzformalitäten halten sich in Grenzen (ein ganz flacher, ich weiß) und gegen 11.00 Uhr steuern wir die erste tschechische Kneipe an. Kurz davor diese Anekdote. Vor der Kneipe steht ein Golf mit deutschem Kennzeichen und eingeschaltetem Licht. Auf dem Fahrersitz ein Opa, der mit dem Kopf auf dem Lenkrad liegt. Wir vermuten schon einen Unfall und wollen natürlich helfen, da bewegt sich Opa und kommt kurz hoch, um dann wieder auf dem Lenkrad abzunicken. Vollkommen Hacke, der Typ. Ich erinnere an die Uhrzeit: 11.00 Uhr. Die Dorfbewohner können sich glücklich schätzen, dass Opa nicht bei jedem Abnicken auf dem Lenkrad die Hupe trifft. Er würde sich davon sicher nicht aus dem Konzept bringen lassen. Aber der Tscheche hätte Probleme die Hupe auszubekommen, weil im Fond des Autos noch ein Hund lauert, der bestimmt nur spielen will. Wir sagen uns wat Opa kann, könn wa och. Und rin in die Kneipe. Wieder mal eine dieser urwüchsigen Wirtschaften, in denen man sich sofort wohlfühlt. Im Ofen knistert ein Holzfeuer, aus dem Lautsprecher kommt leise tschechische Blasmusik und in der Küche hört man wie die Chefin schon das Mittagessen vorbereiten. Nach dem Gehaue zu urteilen gibt es heute wohl Schnitzel. Wir wollen aber nur schnell ein Getränk nehmen und dann weiter. Aber wir haben nicht mit unserem selbsterschaffenen Monster Ingo gerechnet. Dietmar hat kaum an seinem Bier genippt, da bestellt Ingo auch schon die nächste Runde. Er war ja schließlich schon mit seinem Bier fertig. Ich glaube, manchmal versucht er unsere Grenzen auszutesten. Aber dafür haben wir doch eigentlich schon den Reiseleiter. Na egal. Also die 2 Halben runter in den ledernen Magen und weiter. Im Ort wird noch schnell ein Konsum aufgesucht um unsere Lebensmittel aufzufüllen. Dass sich in unserem Warenkorb auch Produkte der Firma Jan Becher (Karlsbad) befinden, kann man sich, wenn man uns kennt, denken. Mich wundert es, dass der Reiseleiter noch nie auf die glorreiche Idee gekommen ist, mal eine Tour in die T.G. Masarykstrasse 57 in Karlsbad zu machen. Dort wird dieser leckere Kräuterschnaps nämlich nach einem über 200 Jahre alten Geheimrezept hergestellt. Ich hoffe mal er kommt beim Lesen dieser Zeilen nicht auf eine blöde Idee. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen eine Firmenbesichtigung mit anschließender Verkostung bei Jan Becher zu überleben. Das ist in einer Bierbrauerei schon eine grenzwertige Sache. Aber in einer Schnapsdestille… Also: vergiss es gleich wieder Alex! Wir sind mittlerweile von Dolni Svetla über Krompach in Richtung Hochwald unterwegs. Eine Kneipe am Wegesrand lässt uns dann, wir haben es jetzt 13.00 Uhr, aber doch noch für ein kleines Mittagessen kurz innehalten. Mein Körper schreit jetzt nach Gulasch mit Knödeln. Zum Essen werden natürlich noch zwei große Getränke inkludiert. Wenn das so weitergeht… Mit vollen Bäuchen steigen wir weiter Richtung Hochwald (750m). Der gleichnamige Turm und die gleichnamige Baude, alles zu. Na ja, zumindest Hunger oder Durst sollte noch keiner haben. Wir machen an der Baude noch ein paar Fotos und gehen weiter in den Wald. Heute ist mal wieder eine Nacht draußen geplant. Also halten wir immer schon mal Ausschau nach einer schönen Stelle. Die findet sich heute sehr schnell. Wir stolpern über zwei Holzbänke mit Tisch und sogar eine Feuerstelle befindet sich daneben. Etwas Besseres kann man kaum finden. Irgendjemand hat sich sogar die Arbeit gemacht und ein Plumpsklo mitten in den Wald gestellt. Ohne Tür. Man hat also beim Geschäft eine schöne Aussicht auf den Wald. Und auch das Wetter ist uns dieses Jahr mal wieder sehr wohl gesonnen. Der Sonnenschein lässt einen glatt vergessen, dass wir nur um die 5 Grad haben. Die Zeltschläfer bauen ihre Behausungen auf, die nicht Zeltschläfer rollen ihre Matten aus und anschließend versammeln wir uns am Tisch um zu kochen. Es gibt OdNt. Mein Leibgericht. Danach schart sich alles ums Feuer und die von mir so „geliebten“ Öcken gehen rum. Da heute irgendwie alle sehr gut drauf sind, werden auch ganz schön viele davon leer gemacht. Das ins Zelt gehen ist mehr ein zum Zelt wanken und dann reinfallen.












Fr. 29.10
Um 9.30 Uhr nach einem guten Frühstück geht es am Sokol-Berg vorbei Richtung Petrovice. Dort lockt uns eine „Pilsner Urquell“ Reklame in eine Wirtschaft. Und auch hier knistert schon wieder das Holz im Ofen und die ungemein freundliche Kellnerin weist uns darauf hin, dass wir doch mit unseren Rucksäcken nicht so den Weg verstellen sollen. Zumindest interpretieren wir ihr Gekeife dahin gehend. Denn selbst unserem Muttersprachler Alex ist es kaum möglich die aufgebrachte Frau zu verstehen. Wahrscheinlich ist sie nur sauer, weil wir um Punkt 11.00 Uhr (laut Anschlag Beginn des Ausschanks) in ihren Laden rammeln und nach Bier und Knödeln verlangen. An den Umsatz den wir hier gleich bei ihr machen denkt sie bestimmt nicht. Das zum Thema Marktwirtschaft. Aber wer wird sich beschweren. Wir sind ja auch ganz andere Sachen gewohnt. Nach einem ausgiebigen Knödel/Urquell Gelage laufen wir den Grenzweg entlang. Zu erkennen an den ganzen alten Bunkern die sich im Wald verstecken. An einem machen wir eine kleine Foto-Session. Dann geht es weiter nach Polesi. Da wir mal wieder einen Konsum bräuchten wird an der Pension Sportturia angehalten. Der Chef empfiehlt uns das Nachbardorf. Da soll es einen geben der noch auf hat. Und da wir gerade so schön sitzen bestellen wir mal ein Bier. Dabei schmieden wir folgenden Plan. Zwei von uns laufen ohne Rucksack zum empfohlenen Konsum (Team-Einkaufen) und die anderen (Team-Vollaufen) warten hier so lange. Das ist ein super Plan. Ich gehöre nämlich zum Team-Vollaufen. Alex und Marc erklären sich netterweise bereit, die paar Extra Kilometer unter die Sohlen zu nehmen. Wir verbliebenen harren derweil auf der Sonnenterrasse aus und spielen mit den beiden Hauskatzen (sehr süß) und verhaften noch das ein oder andere Getränk (sehr lecker). Dabei fällt mir unangenehm auf, dass Dietmar nicht gerade ein Tierfreund ist. Jedes Mal wenn Muschi in seine Nähe kommt verdreht er die Augen, macht ein Geräusch wie ein Bär den man bei seinem Winterschlaf gestört hat und scheucht sie davon. Das hätte ich bei Dietmar dem ollen Altruisten jetzt nicht gedacht. So wird mir wieder einmal bewiesen, willst du einen Menschen kennenlernen, fahre mit ihm in den Urlaub. Aus den eigentlich angedachten 20 Minuten, die Team-Einkaufen laut Aussage Pensionschef brauchen soll, werden dann doch wesentlich mehr. Wenn die beiden nicht bald wiederkommen, können wir uns gleich in die Pension einmieten. Team-Vollaufen macht seinem Namen nämlich alle Ehre. Auf unserem Deckel sind mittlerweile 14 Halbe und die Lampen sind schon wieder an. Ich hätte nichts dagegen meinen Feierabend jetzt hier auf der Terrasse zu verbringen. Wieder eine kleine komische Geschichte am Rande. Zwischendurch erscheint in der Auffahrt zum Pensionsparkplatz ein Typ der uns wild fuchtelnd zuwinkt und irgendwas in die Luft hält. Er traut sich anscheinend nicht auf das Gelände. Hä? Später stellt sich heraus, der Verrückte rennt durch das Dorf und versucht eine Kettensäge (!) an den Mann zu bringen. Hat bestimmt bloß die falsche Farbe gewählt und den Bon verloren und will sie deswegen jetzt superbillig verkaufen ;-) Das gleiche hat er nämlich auch bei Team-Einkaufen probiert, welches kurze Zeit später endlich wieder zu uns stößt und uns aufklärt. Also was die Kettensäge angeht. Außerdem bringen die beiden auch noch eine Geschichte mit. Eins muss man Tschechien lassen, es ist spannend. Sie wollten also in den beschriebenen Konsum. Ein staatlicher. Nur, dass der staatliche Konsum keine Euros nimmt. Im Jahre des Herren 2010 sind wir davon ausgegangen, ohne Umtausch von Kronen durchzukommen. Denkste! Es darf auch nicht mit Karte gezahlt werden. Ja Nee is klar. Also alles zurück in die Regale. Auch das Brot, welches Marc mühsam aus den Frischeboxen gefummelt hat. Im nächsten Laden (nicht staatlich) gibt es zwar nicht alles was wir brauchen, aber man kann mit Euro bezahlen und bekommt Kronen wieder. Manchmal finde ich freie Marktwirtschaft geil. Mit dem tschechischen Wechselgeld zurück in den staatlichen und noch den Rest eingekauft. Also das Brot zum dritten Mal angetascht (Marc schwört, es sind genau dieselben Brötchen wie beim ersten Versuch) und zurück zu Team-Vollaufen. Na bitte, geht doch. Dass im Warenkorb WIEDER Jan Becher (Karlsbad) drinne ist… Im Moment ist mir das alles egal. Doch der stets gestrenge Reiseleiter mahnt zum Aufbruch und scheucht uns in den Wald zurück. Also heißt es Abschied nehmen von meiner mir so lieb gewordenen Terrasse, den beiden süßen Muschis und dem Kettensägenverrückten. Team-Vollaufen und Team-Einkaufen paaren sich wieder zu Team-ILF und wir versuchen im angrenzenden Wald einen ähnlich guten Schlafplatz wie letzte Nacht zu finden. Zumindest eine ähnliche Sitzgarnitur finden wir. Also beschließen wir hier zu bleiben. Die Zelter bauen wieder ihre Zelte auf, die anderen rollen ihre Matten aus. Der Koch umschmeichelt unsere Gaumen und an einem kleinen Lagerfeuer lassen wir den Abend mit einer Runde Mäxchen und mehreren Runden Karlsbader Kräuterlikör ausklingen.
Sa. 30.10.
Heute soll es wieder zurück nach Deutschland gehen. Wir kommen am Pfaffenstein (565m) natürlich nicht vorbei, ohne noch mal auf ihn raufzuklettern. Hier oben tobt heute ein Sturm, dass man glatt Angst bekommt unsere leichtesten Wandergesellen könnten davon fliegen. Der Aufenthalt ist aber nur von kurzer Dauer, da man durch den Windchill-Effekt, der wie wir alle wissen, nach der Formel

berechnet wird, hier oben gefühlte -20 Grad herrschen lässt. Das gilt natürlich nur für unser metrisches System in Europa. Bei den Angloamerikanern muss die Formel natürlich auf
umgestellt werden. Aber wem erzähle ich das. Wir laufen jetzt wieder direkt an der Grenzlinie entlang. Zu erkennen an den Grenzsteinen mit der jeweiligen Beschriftung „CZ“ oder „D“. Wenn man beim „D“ genau hinschaut, sieht man, dass das bundesrepublikanische D einfach nur über die drei Buchstaben DDR rübergemalt wurden. Der Osten hat sich damals die Arbeit gemacht die Buchstaben in die Steine zu gravieren. Im Westen war nur Geld für einen Topf Farbe da, mit der dann die Steine übermalt wurden. Auf einer von der Sonne verwöhnten Lichtung machen wir Rast für ein Mittag. Es gibt Thunfisch mit roten Zwiebeln und Tomatensauce an Spaghetti. Danach müssen wir nur noch durch eine „Böhmisches Tor“ genannte Felsformation und schon sind wir wieder in good ol´ Germany. Da wir heute etwas Zeit haben können wir noch das ein oder andere Highlight am Wegesrande mitnehmen. Auf deutscher Seite erklimmen wir noch die Fuchskanzel mit schönem Rundumblick und die Ruine Karlsfried. Obwohl Ruine dem Steinhaufen eher schmeichelt. Für unsere letzte Übernachtung ist in einer evangelischen Freizeit- und Bildungsstätte in Lückendorf gesorgt. Ja richtig gelesen, eine evangelische Freizeit- und Bildungsstätte. Wie der Reiseleiter wieder auf diese Idee gekommen ist, weiß der Fuchs. Bei unserem Eintreffen guckt die anwesende Jugendgruppe auch etwas ängstlich, ob der 6 komischen Typen, die da hineingestiefelt kommen. Nach drei Tagen im Wald kommt man sich in einem evangelischen Landheim doch irgendwie deplaziert vor. Da wir unserem Zeitplan wieder etwas voraushecheln, können wir noch den hier in der Nähe befindlichen Klettersteig mitnehmen. Die Ausrüstung haben wir ja noch vom ersten Tag dabei. Nur mit dem finden ist es so eine Sache. Ich und mein großes Maul sind der Meinung das Ding auf Anhieb zu finden, da ich diesen Klettersteig schon einmal gegangen bin. Aber irgendwie hat sich die Landschaft hier in letzter Zeit dramatisch verändert. Mit auf Anhieb finden is bei meinem Orientierungssinn nich. Die Meute wird ja schnell unruhig und deshalb fragen wir nach dem Weg. Ein Pärchen zeigt uns selbigen und dann geht’s auch schon in die Vertikale. Ich muss sagen, die letzten Tage merke ich doch schon wieder in den Knochen. Oben angekommen bin ich ganz schön K.O. Der Klettersteig ist zwar nicht sehr lang, aber doch kein einfacher. Zur Belohnung hat uns der Reiseleiter Speis und Trank versprochen. Wir also in die nächste Lokalität. Hotel „Zum Hochwaldblick“. Das beste Haus am Platze. Wir setzen uns und einige suchen auch mal das WC auf, deshalb bekommt keiner die Bestellung des Reiseleiters an der Bar mit.
Reilei: „Wir hätten gerne 6 große Bier“
Der Kellner: „Na große sind bei uns nur 0,4 Liter“
Reilei: „Habt ihr noch was anderes?“
Kellner: „Wir haben gerade bayrische Wochen. Da gibt es Festbier in Maßkrügen“
Reilei: (0,1 Sekunde Bedenkzeit) „Na ja, da nehmen wir mal 6 von“
Man kann sich vielleicht unsere Gesichter vorstellen, nachdem der Kellner unter der Last der 6 Krüge fast zusammenbrechend, weil wahrscheinlich solche Mengen nicht gewohnt, uns die Dinger vor die Nase stellt. Obwohl, viel getrunken haben wir heute noch nicht. Und damit es mit dem Bier nicht so langweilig wird und es so gut zu den Bayrischen Wochen passt, gibt’s gleich noch einen Alpenschnaps dazu. Und damit der auch gut unten ankommt, wird auch gleich noch mal eine Runde Maßkrüge bestellt. Der Verband zur Bekämpfung betrügerischen Einschenkens e.V. von 1899 braucht hier keine Angst haben. Die Dinger sind randvoll. Das gleiche kann man von uns sagen. Schon nach der ersten Maß sehen wir alle sehr glücklich aus. Ein bisschen Tempo nimmt dann das Essen raus. Wäre es mit dem Bier so weitergegangen hätte ich gleich hier im Hotel nach einem Zimmer gefragt. Aber da es ja unser letzter Abend ist, kann man sich auch mal gehen lassen. Da ich dieses Jahr auch Kassenwart bin darf ich nach einem gelungenen Bayrischen Abend die wahrscheinlich höchste ILF-Kneipenrechnung seit langer Zeit begleichen. Aber gut, man muss ja auch mal sehen was man für einen Gegenwert erhält. 6 Typen die strunzhacke das evangelische Landheim suchen. Wir poltern also im Dunkeln durch den Ort und versuchen so „leise“ wie möglich zu sein. Das gelingt uns nicht ganz. An jedem Haus wo wir vorbeikommen, wird das Licht angemacht. Um danach, wenn wir weit genug weg sind, wieder ausgemacht zu werden. Außerdem scheint hier morgen die Sperrmüllabfuhr zu kommen. An einer Kreuzung im Ort stehen allerhand Sachen. Eine alte Couch, eine Matratze und so´n Zeug. Dieser Müll wird von uns sofort erobert, und wir machen noch eine kleine Fotosession. Wir können wahrscheinlich von Glück reden, dass noch niemand der Einheimischen die Polizei gerufen hat. Nach unserem Sperrmüll-Shooting soll es jetzt endlich ins Landheim gehen. Die Nonnen warten. Nur Christian scheint keine Lust auf sein Bett zu haben. Eine Hecke am Wegesrand scheint ihm irgendwie bequemer zu sein. Deshalb legt er sich auch gleich mal hinein. Aber Kumpels wie wir sind ziehen wir ihn da wieder raus. Im Landheim angekommen ist aber immer noch nicht Feierabend. Unser Koch will noch unter die Dusche springen. Das signalisiert er, in dem er nackig durch das Heim rennt. Ob er bemerkt hat, dass die Tür im Flur eine Glastür ist? Und der Reiseleiter verlangt noch nach einem letzten Scheidebecher. Wir haben von der Chefin die Erlaubnis uns im Heizungskeller, wo die Getränke gelagert werden, noch eine Flasche Bier zu nehmen. Aber wir sind ja bei den evangelischen, die sehen das ja nicht so eng wie die Katholiken. Die hätten wahrscheinlich schon versucht, uns zu exorzieren. Außerdem ist ja morgen ein großer Feiertag für die Evangelisten. Sie feiern die Anschlagung der 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg durch Herrn Luther. Da werden sie bestimmt mal ein Auge zudrücken. Also setzen wir uns alle nochmal zusammen, trinken ein schönes Landskron und spielen eine letzte Runde „6 Nimmt“.



























So. 31.10.
Heute geht es nur noch in einer gemütlichen Runde zurück nach Oybin. Dort wird am Imbiss-Stand noch ein Frühstückspils (weil es so kalt ist vorsichtshalber mit einem Kräuter verbunden) genommen und wir steigen in die Dampflok nach Zittau, wo wir unseren Boliden besteigen und nach Hause fahren.

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© 2010 Stefan Littmann