ILF Fuck-

Westtatra 2008

 

Innen sind wir alle rosa

 

von Stefan Littmann

 

  

John Ruskin: „Sonnenschein wirkt köstlich, Regen erfrischend, Wind aufrüttelnd, Schnee erheiternd. Wo bleibt da das schlechte Wetter?“ (Dort, wo ILF hinfährt L)

 

 

 

Für das gesamte ILF-Team. Danke, dass ihr immer an mich geglaubt habt.

 

  

 Teilnehmer:    Alex – Weltbeste Reiseleitung

                        Dietmar – Ausnahmekoch

                        Christian – Ausnahmebeikoch

                        Stefan – Medienverantwortlicher mit Potential

                        Ingo – was hat eigentlich Ingo den ganzen Tag gemacht?

                        Christoph – neuer Kassenwart auch mit Potential

                        Volker – Alt Schrägstrich Ehrenmitglied und Müll

 

 

Reisezeit:        14.9.200821.9.2008

 

Reiseroute:      Mit dem Auto über Wroclaw (PL) und Krakau (PL) nach Oravice (SK) Westtatra. Zu Fuß: Rundtour über Zuberec zurück nach Oravice. Mit Auto nach Dolni Kubin. Rundtour über Velky Rozsutec. Mit Auto über Prag nach Neuenhagen.

 

Höhepunkte:   Mal wieder das Wetter

 

 

 

So. 14.9.

10 Jahre ILF…hmmm…wo soll ich da anfangen. Ich versuche dem geneigten Leser mal einen Einblick in meine schwierige Situation zu verschaffen. Ich soll einen Reisebericht schreiben der nicht sofort von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien vor meinen Augen zerschreddert wird. Aber allein in der Vorbereitungsphase der diesjährigen Tour erscheinen im Mailverkehr der ILF Mitglieder folgende Schlagworte:

„Das letzte große Abenteuer unserer Zeit, Ein Teil vom Ganzen sein, Scheißegal mit wem und wo du auf das 10-jährige anstößt, Bärentatzen aus den Nationalparkbeständen essen, 10 Jahre ILF „besinnlich“ feiern, Besonders kleine Präservative, Linsensuppe mit Bockwurst, Lustige bunte Geldscheine, Schnabelschuhe und Rolex“.

Ich habe mal nur die harmlosen genommen. Ich könnte auch unseren Smalltalk auf dem ersten Zeltplatz in der Slowakei erwähnen. Dortige Signalwörter sind zum Beispiel: „Nutten sind auch im Regen geil, Spaltenkrebs, russische Sahnetörtchenbrüste, Trekkerventile (Größen-einheit für Brustwarzen), Brittentitten“.  

Mach ick aba nich ;-)

 

Objektiver Journalismus der seiner Aufgabe gerecht wird kann dabei nur schwer herauskommen. Aber das soll er ja auch nicht.

 

ILF kann sich übrigens geehrt fühlen, ihr 10 jähriges zusammen zu feiern mit zum Beispiel so wichtigen Einrichtungen wie:

 

Interdisziplinäres Beckenboden-Zentrum in der neuen Frauenklinik Luzern

RTL Domino-Day

Verband der Integratoren für Gebäudesystemtechnik

Dienststelle Jena des Deutschen Patent- und Markenamtes

PM Schulpferde-Cup

Olina-Küchen

Bibelzentrum Marienwerder

Und natürlich die blaue Pille: Viagra ;-)

 

Aber nun zum wesentlichen. Zur Einstimmung auf unsere Jubiläumstour zum 10-jährigen Bestehen der wichtigsten Vereinigung von Menschen seit der vorletzten Eiszeit, trafen wir uns wieder am Sonntagabend im Headquarter. Um nicht wieder als Erster stundenlang auf die anderen warten zu müssen bin ich erst um 20.30 hingefahren. Natürlich war ich diesmal der Vorletzte. Ich werde es wohl nie lernen. Vielleicht schaffe ich es beim nächsten Mal zur richtigen Zeit da zu sein. Egal. Wir wollen uns ab jetzt der Frage widmen: Wie viel Hygiene braucht der Mensch wirklich? Um es vorwegzunehmen, nicht viel. Wir grillen uns noch totes Fleisch und gönnen uns eine Flasche Bier dazu. Dabei malen wir uns schon unsere nächste Woche in vielen bunten Farben aus. Im Nachhinein betrachtet, es hätten die Farben regengrau und schneesturmweiß gereicht. Natürlich wird auch die eine oder andere Geschichte aus 10 Jahren ILF zum Besten gegeben. Da wir nächsten morgen um 4 los wollen, werden die noch anwesenden „besseren Hälften“ (deswegen die verbale Zurückhaltung einiger, hab mich schon gewundert) und der irgendwie dazugehörige Dunstkreis von Freunden und Nachbarn bald nach Hause geschickt. Der Reiseleiter hat für uns Karten für den Wolfsburg-Express besorgt. Einen 7-Sitzer VW Bus. Natürlich den großen, mit der 174 PS Maschine. Angeber…

  

Mo. 15.9.

Warum müssen Urlaube eigentlich immer so früh anfangen? 3.30 Uhr klingelt der Wecker. Ich bin nicht der einzige, der nicht viel geschlafen hat. Nur unsere Sägewerk-Abteilung hat, der akustischen Rückmeldung nach zu urteilen, durchgeschlafen. Also ich meine nicht normales schnarchen, sondern schnarchen das selbst van Gogh gehört hätte. Und der ist Tod und hatte nur ein Ohr. Gott sei Dank muss ich nicht fahren. Das übernimmt als erster der Reiseleiter (Sägewerk-Abteilung). Und schon geht sie ab, die wilde Jagd. Wir fahren über Wroclaw und Krakau Richtung Slowakei. Beim ersten Tankstop in Polen kommt Ingo mit einer kleinen Frühstücksüberraschung ganz steil aus dem Gebüsch. Selbstgemachte Muffins und dazu Kaffee von der Tanke. Das gibt mir endlich mal die Möglichkeit eine polnische Autobahnraststätte von innen kennenzulernen. Na ja, wenn man lange genug die Luft anhält geht es. Man hätte mal einen Abstrich der Toilettenbrille machen sollen. Da gibt es bestimmt noch die eine oder andere neue Virus-Spezie zu entdecken. Eine Aufgabe für unsere Chemiker und Biologen.

     

 

Auf der Tanke stellen wir auch fest, dass wir nur einen einzigen Fotoapparat dabei haben. Und das ist noch nicht mal meiner. Was bin ich für ein schlechter Medienverantwortlicher. Die Kritik ist berechtigt. Das Wetter wird, wie nicht anders zu erwarten eher schlechter als besser. Nachdem es jetzt endlich etwas heller geworden ist, legen wir noch einen kleinen Stop auf einer Raststätte ein. Nochmal Kaffee und ein kleines Frühstück welches sich aus Salami und Brot zusammensetzt. Und natürlich virulente Toilettenbrillen. Wir überqueren die polnisch-slowakische Grenze und schon sind wir in der Tatra. Mittlerweile hat es sich richtig schön eingeregnet. Wie heißt es dazu so passend in der slowakischen Nationalhymne: „Ob der Tatra blitzt es, dröhnt des Donners Krachen! Doch der Stürme Wehen wird gar bald vergehen …“. Wir wollen´s hoffen. Dank unserer wieder mal bestens vorbereiteten Reiseleitung (DIN A4 Aktenordner!) finden wir unser erstes Ziel ohne uns zu verfahren. Willkommen in Oravice. Ein kleines Dorf am Fuße der Tatra mit Geothermalbad und so einer Art Spaßbad. Also sicherlich der Touri-Hotspot dieser Region. Wir steuern den dortigen Zeltplatz an. Danach geht es in die Zeltplatzkneipe. Alex muss noch mit der Zeltplatzleitung verhandeln. Hier wollen wir nämlich nur eine Nacht bleiben um dann zu Fuß weiter zu gehen. Dazu wollen wir den Wolfsburg-Express auf dem Parkplatz stehen lassen. Damit er auch noch da ist, wenn wir wiederkommen. Es ist jetzt 14.00 Uhr, also die richtige Zeit um auf eine schöne Woche mit vielen neuen interessanten Eindrücken anzustoßen. Dabei reden wir über die schon in der Einleitung erwähnten wichtigen Themen. Nach einer doppelten Portion Hopfenbrause ist es Zeit unsere Zelte aufzubauen. Ja dieses Jahr leider wieder mit Zelten. Anders wäre es aber auch nicht gegangen. Es regnet übrigens immer noch. Also heißt es, wer als erster sein Zelt aufgebaut hat, hat auch das trockenste. Danach erledigen wir noch ein paar Einkäufe. Zur Feier des Tages kaufen wir den ersten Borovicka. Nein ich meine nicht den 1968 verstorbenen Komponisten Antonin, wer kennt sie nicht seine unvergesslichen Werke wie zum Beispiel „Löffel-Polka“ oder „Gablonzer Perlen“. Ich meine natürlich den Wacholderschnaps. Nach dieser unmenschlichen Anstrengung geht es in das Restaurant über dem Borovicka-Laden. Dort wird zu Abend gegessen. Danach geht es wieder zurück in die Zeltplatzkneipe. Quasi Kneipenhopping in Oravice. Der neue Trend. In der Kneipe kommt es noch zu einer kleinen Unstimmigkeit. Ich will jetzt hier keine Namen nennen, aber zwei von uns bestellen doch glatt Ginger Ale! Da lassen blöde Kommentare der anderen natürlich nicht lange auf sich warten. Die von uns die bei der Bestellung (Martiner-Pils) alles richtig gemacht haben sind (18.45 Uhr) aber schon wieder nahe am Verlust der Muttersprache. Erkennt doch einer von uns im Radio die englische Version von „99 Luftballons“. Das Problem ist nur, es ist die deutsche…;-) Also bestellen wir nur noch einen Scheidebecher und begeben uns um 20.30 Uhr in unsere nassen Zelte. Vorher gibt es aber am Wolfsburg-Express (dank seiner großen Heckklappe im trockenen) noch ein Betthupferl. Einen Schluck Borovicka. Mit dem pelzigen Geschmack auf der Zunge lässt es sich doch gleich viel besser einschlafen.

 

        

 

Die. 16.9.

Ein anderer Tag, dasselbe Wetter. Nach einem kurzen Frühstück und der Gewissheit, dass die Batterie des Autos kaputt ist (war schon vorher so) marschieren wir los. Natürlich in kompletter Regenausrüstung. Zu Beginn unserer heutigen Tour kommen wir an einem Warnschild vorbei welches uns vor Bären in diesem Gebiet warnt. Hmm.

 

  

 

Wir laufen durch eine enge Schlucht, wo ein kleines Flüsschen dahinplätschert. Es kommen auch schon ein paar Steigungen, die man hier so nicht erwartet hätte. Wir sind zwar nicht in den Alpen, aber man sollte diese Region nicht unterschätzen. Und da haben wir auch schon die erste Bärenspur. Meister Petz hat auf dem Weg seine Losung hinterlassen. Scheißt uns der Kerl doch tatsächlich vor die Füße. Wir wollen nur hoffen, dass sein Geschäft schon länger her ist. Der Regen will nicht aufhören. Der Regen hört erst auf, als es anfängt zu schneien. Ab einer Höhe von 1300 Metern liegt eine geschlossene Schneedecke. Nochmal zur Erinnerung: wir haben den 16. September. Wir sind dieses Jahr früher unterwegs als sonst. Wären wir wie immer im November außer Haus könnten wir wahrscheinlich Iglus bauen. Der höchste Punkt (Bobrovec) liegt heute auf 1652 Metern. Wir nennen sie die Todeszone. Der Schneefall hat sich zu einem kleinen Schneesturm entwickelt. Die Sicht beträgt vielleicht noch 30 Meter und der Wind pfeift einem um die Ohren, dass man denkt die Dinger fallen gleich ab. Ich muss wieder an van Gogh denken. Man hält es einigermaßen aus, weil der Wind von hinten kommt. Würde er von vorne pusten, könnte man nicht mal atmen. Bei diesen Umständen kann man ruhig mal am Wegweiser vorbeilaufen, was wir dann auch machen. Die Schneeverwehungen sind so hoch, dass ich bis unter die Knie im Schnee versinke. Das Laufen wird nicht einfacher als wir durch einen dichten Wald aus Krüppelkiefern kommen. Und ich meine wirklich dicht. Man kommt sich vor wie der Runningback der Green Bay Packers wenn man da durch will. Unten rum sieht es auch nicht besser aus. Wenn man über eine zugefrorene Pfütze läuft bricht meistens das Eis ein und die Schuhe patschen in eine Pfütze. Wir haben auch schon wieder erste Ausfälle zu verzeichnen. Volker lässt sich immer weiter zurückfallen. Das bedeutet er ist noch hinter mir! Das ist wirklich langsam. Er hat Probleme mit seinem Hüftgelenk.

 

  

 

Wahrscheinlich haben wir zu wenig Frostschutz in ihn hinein gekippt. In solchen Momenten erinnere ich mich immer gerne an unsere Mallorca Tour. Wo ich in kurzen Hosen und meinem roten Nippel-Shirt durch die Sonne gelaufen bin und mit einem kleinen Sonnenbrand nach Hause gekommen bin. Vor Hautkrebs brauche ich dieses Jahr keine Angst haben. Wohl eher vor Erfrierungen wichtiger Genitalien. Nach dem wir den Gipfel hinter uns haben und einen Alternativweg gefunden haben kommen wir wieder in etwas windgeschütztere Ecken. Das gibt uns die Möglichkeit für eine kleine Brotzeit. Koch und Beikoch haben uns Linsensuppe mit Bockwurst versprochen. Damit haben sie auch nicht gelogen. Sie haben nur ein wichtiges Detail weggelassen, dass sie zu faul sind das ganze heiß zu servieren (unter diesen Umständen nachvollziehbar). Für sein Gewissen macht der Koch zwar den Kocher an, aber nur durch das „den Topf am Kocher vorbeitragen“ wird die Sache natürlich nicht warm. Also stehen wir mitten im weißen Nichts und löffeln kalte Linsensuppe. Mahlzeit. Nachdem die nicht warmen Hülsenfrüchte verputzt sind, geht’s weiter nach Zuberec. Dort hat Alex für uns in weiser Voraussicht eine so genannte Chata (Hütte) gebucht. Nach etwas Sucherei finden wir auch selbige. Chata Primula. Die Primel Hütte. Unser Zimmer erinnert einige spontan an ein Ferienlager. Wir haben das 12-Mann Zimmer im 3. Stock. Auch schön. Aber alles ist besser als draußen pennen. Es ist jetzt 18.00 Uhr und wir sind alle durch mit dem Thema. Sämtliche Klamotten sind nass. Mit einer Ausnahme: Meinen Schuhen. Sieg! Da ich auch Hausschuhe mitgenommen habe (manche haben jetzt nur ihre nassen Stiefel), versteigere ich meine trockenen an den meistbietenden. Alex gewinnt. Für uns bleibt jetzt nur noch das Abendessen. Es gibt 3 Gänge. Vorsuppe, Schnitzel und ein süßes Ende. Volker geht’s in Anbetracht der warmen Lebensmittel sichtlich besser. Da es seit 36 Stunden ununterbrochen regnet und Besserung nicht in Sicht ist, wollen wir morgen beim Frühstück entscheiden, wie unsere Tour weitergeht.

Nicht dass wir aufgeben wollen, aber auf Grund der mal wieder suboptimalen Wetter-bedingungen wäre eine kürzere Tour für morgen die bessere Wahl. Gegen 20.00 Uhr klettern wir die Treppe zu unserem Hordenlager hoch. Bei mir ist dabei schon ein leichtes schnaufen und ächzen zu vernehmen. Die Geräusche kommen aus Richtung Knie. Ein gutes Zeichen? Bestimmt. Als Schlummertrunk gibt es noch flüssiges aus diversen Flaschen mit lustigen Etiketten. Und als alle in ihren Kojen liegen wird noch ein bisschen geplaudert und gefurzt. Was Männer halt so machen, wenn sie einen im Tee haben.

                                                          

          

 

Mi. 17.9.

Wir sind wieder früh unterwegs heute. Um 8.00 Uhr sitzen alle mit gewetzten Messern am Frühstückstisch. Nach einem Brainstorming im Think Tank wird ad hoc eine Interimslösung gefunden (sprich der Reiseleiter sagt: so und so wird es gemacht). Wir (also er) entscheiden wir machen die 4-Seen-Tour. Muss ich erwähnen dass es immer noch regnet? Also wieder in die jetzt mal trockenen Regensachen. Das Gepäck wird auf drei Rucksäcke aufgeteilt. Wir nehmen nur das nötigste für heute mit, da wir noch eine Nacht in der Primel-Hütte bleiben. Wir laufen über den Rohacske Wasserfall zu den Rohacske Seen. Noch am Wasserfall legen wir ein Picknick ein. Unser Gemaule wegen der gestrigen kalten Linsen zeigt seine Wirkung. Koch und Beikoch versprechen uns heute heißes Chili. Damit es schneller geht, hilft jeder mit und im Nu haben wir lecker heißes Chili auf unseren Plastetellern.

 

                                                   

 

Als zusätzlichen Gast haben wir eine kleine Maus die wir mit unseren Speckresten winterfest machen. Mit Volker sieht es wieder nicht gut aus heute. Sein Gesichtsausdruck sagt Aua. Aber er stapft mitsamt Mülltüte (Wunsch ist Wunsch) tapfer hinter uns her. Aber auch ich muss mir den Gipfel heute wieder hart erkämpfen. Schon alleine weil ich mal wieder in einer gänzlich unpassenden Situation raustreten muss. Die Aussicht während des Geschäfts ist ja nicht verkehrt, aber ich will nicht weiter nachdenken, was passiert wäre, wenn ich auf diesem schiefen Abhang ausgerutscht wäre. Die anderen hätten mein: „So eine Scheiße“ (sehr passender Kommentar) sicher bis zum Gipfel gehört. Dann geht es weiter zu besagten Seen die auf 1700 Metern liegen und uns also Schnee bringen. An den Wegweisern hängen bis zu 30 Zentimeter lange Eiszapfen. Ich erinnere erneut an das aktuelle Datum: 17. September. Wie sieht das hier im Winter aus, wenn man sich im Spätsommer schon einen Pistenbully wünscht. Die Seen selber entschädigen aber wieder für die Wetterumstände. Sie sind nicht zugefroren, vielleicht auch auf Grund von Geothermik wie in Oravice? Und sie sind sehr klar. Die hungrigen unter uns suchen gleich nach Fischen. Die scheint es in diesen Seen nicht zu geben. Auch die Flora hat interessantes zu bieten. Auf Schautafeln lese ich so illustre Namen wie: Gentiana frigida oder Coronilla vaginalis.

 

         

 

 

 

Zusammen mit der verschneiten Landschaft ein wildromantisches Ensemble wo bei der ILF natürlich wieder Emotionen ihren Weg nach draußen suchen. Es ist keine Schande sich in so einem Moment einfach mal in den Arm zu nehmen. Wir haben einfach zu viel Liebe in uns.

 

  

 

Dafür kann uns niemand verurteilen. Trotz des schlechten Wetters sind wir glücklich, genießen die märchenhafte Umgebung und erzählen uns schmutzige Geschichten. Die Einkehrmöglichkeiten sind in dieser Region eher spärlich gesät. Wir müssen also mit einer Dose Bier und etwas Schokolade aus unseren Säcken zufrieden sein. Eine Hütte an der wir später noch vorbei kommen ist leider zu. Dafür begegnen uns drei Polen die sich anscheinend verlaufen haben. Sie fragen uns nach einer Karte. Auch sonst fehlt ihnen das zum Wandern notwendigste. Haben sie doch glatt normale Jeans und Turnschuhe an. Wo bei uns schon die Hightech-Regensachen den Geist aufgeben müssen die drei, tja was kommt nach am nassesten? Na jedenfalls müssen sie das sein. Alex schätzt, dass die drei noch bis in die Nacht laufen müssen um ihr Ziel zu erreichen. Und sie wollen über den Bobrovec. Das ist die Ecke die wir Todeszone genannt haben. Da kann man nur viel Glück wünschen.

Auf dem Rückweg zu unserer Primel kommen wir dann aber doch noch an einer Gaststätte vorbei.

Diese befindet sich zwar schon im selben Ort wie unsere Primel aber das hindert uns nicht daran auf einen kleinen Palatschinken und ein oder zwei Kelt-Pils einzukehren. Ahhh, das erste mal seit dem Frühstück Wärme und Geborgenheit. Mal abgesehen von der Wärme und Geborgenheit die ich durch die Gruppe in jeder Minute der Reise erfahre. Die letzten Meter zu unserer Primel sind Dank des gerade genossenen slowakischen Kids Club Menüs für Erwachsene (2 Kelt, 1 Palatschinken, 1 Überraschung (der Ausschnitt der Kellnerin)) ein Kinderspiel. Die Klamotten sind wieder alle durch. Wir regnen mittlerweile den 3. Tag in Folge ein. In unserem Hordenzimmer entwickelt sich eine Art Mikroklima. Bei 7 völlig durchgeweichten Sets, á Jacke, Hose, Schuhe, Strümpfe, T-Shirts und Ingos neuem Funktionshemd, kein Wunder. Wir können froh sein wenn im Zimmer nicht ein eigenes Tiefdruckgebiet entsteht. Wir legen eine kurze Ruhephase ein bis es Zeit ist, zum Abendbrot zu gehen. Einige nutzen die Zeit um zu duschen? Andere tun nützlicheres und blockieren für andere „Tätigkeiten“ das Klo. Dieser Doppelbelastung hält die Sanitärinstallation der in Ehren ergrauten Primel nicht stand. Dietmar war vor der Tür eine rauchen und kommt mit der Information wieder: einen Stockwerk unter uns tropft es von der Decke. Die Hüttenleitung reagiert sofort. Und stellt ein paar Eimer darunter. Beziehungsweise auf die Tischtennisplatte und den Billardtisch. Auf diese tropft es nämlich genau. Beim nächsten Tischtennismatch muss man sicher kein Fachmann sein, um eine angeschnippelte Banane hinzubekommen. Aber auch der nächste Spin beim Pool dürfte unerwarteter ausfallen als sonst. Auf Grund dieses Malheurs wird unser Klo gesperrt. Na Toll. Unser Glück ist, dass es noch Ausweich-klos im Haus gibt.

 

 

 

Das soll uns aber den Appetit aufs Abendbrot nicht verderben. Es gibt wieder drei Gänge. Für einen gestandenen Esser wie Volker natürlich kein Problem. Beim Essen kommen wir irgendwie auf die drei Weisen aus dem Morgenland. Was jetzt Weise mit uns zu tun haben, keine Ahnung. Dafür bin ich nicht weise genug ;-) Da wir bei der Getränkebestellung wieder mal alles richtig gemacht haben, manche haben zwischenzeitlich 2 volle! Biergläser vor sich stehen, sind wir auch wieder nahe am Verlust der Muttersprache. Vielleicht ist es auch nur die ungewohnte trockene Wärme im Essensraum oder unsere vollen Bäuche, ich weiß es nicht, jedenfalls fragt Volker wie denn der dritte der drei Weisen heißt. Wir sind aber vorher zusammen schon gekommen auf: 1. Caspar, 2. Melchior und 3. Balthasar! Dann ging es weiter. Was hatte jeder der drei bei sich? Wir kommen auf 1. Myrrhe und 2. Weihrauch. In die Runde gefragt, was der Dritte bei sich hatte, antwortet unser Reli-Beauftragter Christoph (geborener Franke, ergo für uns Preußen ein Bayer, ergo für uns katholisch): Gold und Silber. Hmmm, da waren es schon 4? Unsere Tischgespräche driften jetzt auch wieder so langsam in die Ecke menschliches. Ich kann nur hoffen, keiner der um uns herum sitzenden Slowaken versteht deutsch. Alte ILF Geschichten, nach 10 Jahren hat man schließlich was zu erzählen, werden zum Besten gegeben. Die Hölle von Hühnerwasser (der Ort heißt übersetzt wirklich so) wird noch mal in der Extended Version von Alex erzählt. Damit kann er echt Massen fesseln. Das ist DIE ILF Geschichte schlechthin. Ingo berichtet über seine Empfindungen bei der ersten Tour, die er damals mitgemacht hat. In den Gesprächen tauchen aber auch schon immer wieder mal Namen von bekannten Porno-darstellern auf. Zu vorgerückter Stunde werden diese Namen auch schon gerne mal mit denen der drei Weisen kombiniert. Hauptdarsteller in den nächsten Heimatfilmen oder wie ich sie nenne, aktiven Naturfilmen könnten zum Beispiel sein: Gang Bang Caspar, Long John Melchior und in einer Nebenrolle Arschfick-Balthasar. Ich hoffe immer noch sehr, dass niemand der anwesenden Slowaken uns versteht. Hören tun sie uns auf jeden Fall, haben wir doch Dietmar dabei. Der spricht an diesem Abend wieder in seiner gewohnt „leisen“ Art ;-). Sind die Slowaken nicht auch eher katholisch geprägt? Wir können uns wahrscheinlich glücklich schätzen, wenn wir nicht morgen früh auf dem Dorfplatz an den Pranger gestellt werden und uns die Einheimischen versuchen zu exorzieren. Obwohl, bei dem Wetter haben sie dazu wahrscheinlich auch keine Lust. Aber auch der schönste Abend geht einmal vorbei.

Irgendwann erklettern wir wieder unsere Räuberhöhle im dritten Stock mit eigenem Wetter und verrichten unsere Abendtoilette notgedrungen diesmal auf den Klos der anderen Etagen. Die werden natürlich auch von den anderen Gästen benutzt. Oben hatten wir ja unser Reich für uns. Dabei sehe ich in einer der Kulturtaschen ein slowakisches Rasierwasser mit dem schönen Namen Brutal-Classic. Der Name an sich ist ja schon die Erwähnung wert. Lustig wird das ganze, wenn man auf Grund der anderen in der Tasche befindlichen Gegenstände zu dem Schluss kommt, dass diese Tasche einer Frau gehört. Es wird doch nicht unsere Nachbarin aus dem 2. Stock sein, die wir morgens als wir losgegangen und abends als wir zurückgekommen sind auf der Couch im Flur mit einer Flasche Korn (morgens voll, abends leer) gesehen haben. Ganz tief in ihr schlummert bestimmt eine Schönheit die durch die reichliche Anwendung von Brutal-Classic am Ende der Zeiten zum Vorschein kommt.

Vielleicht muss man sie aber auch nur küssen. Wie bei dem Frosch aus dem Märchen. Aber wer hat schon Lust auf Herpes genitalis an der Lippe. Und damit meine ich nicht die ausgefallene Flora der Rohacske Seen.

 

 

Do. 18.9.

Da wir brav früh im Bett waren sitzen wir wieder um 8.00 Uhr am Frühstückstisch. Heute soll es ja nun weiter gehen. Wir wollen zurück nach Oravice. Unser Rückweg führt uns an einem kleinen Bach vorbei. Dort soll Pause gemacht werden. Da wir heute irgendwie nicht ausgelastet sind, wird dieser kurzerhand aufgestaut. Da wir den direkten Weg über eine Teerstraße gehen sind wir recht früh am Zeltplatz. Außerdem haben wir noch das Problem mit der leeren Batterie vom VW Bus, welches unseren Zeitplan noch durcheinander bringen kann. Am Zeltplatz angekommen versuchen wir als erstes den Boliden zu starten. Der sagt jarnüscht. Was macht man in so einem Moment? Man geht in die schon erwähnte Zeltplatzkneipe. Dort wird erst mal gegessen und getrunken. Wir überlegen uns beim Biere folgende Lösung: Wir versuchen den Bus anzuschieben, schließlich sind wir ILF! Und wenn das nicht geht, testen wir mal den slowakischen ADAC aus. Vom Parkplatz geht es etwas bergab in Richtung der Imbissbude am Thermalbad, sodass wir nur kurz anschieben müssen und dann rollen lassen können.

 

   

 

Aber die Hütte will einfach nicht anspringen. Wir malen uns schon aus was passiert, wenn es doch nicht nur die Batterie ist sondern was Ernsteres. Also kommt als nächstes ein Telefonat auf Slowakisch, was keiner von uns kann. Dietmar erklärt sich netterweise bereit die Sache über seine ADAC-Karte laufen zu lassen. Wir setzen uns also an die Imbissbude, wo wir schon mal hier sind trinken wir gleich noch ein Bier, und versuchen auf Denglischwakisch dem Gegenüber am Telefon unser Problem und unseren Standort zu erklären. Nach diversen Rückrufen, Nachfragen und nochmaligen Rückrufen wird uns gesagt, dass in kurzer Zeit Hilfe kommt. Wir sitzen die Sache aus. Mit Blick auf die Gäste des Thermalbades. Darunter auch eine Klasse des, wie wir vermuten, hiesigen katholischen Mädcheninternats. Ob man während der Wartezeit nicht doch mal schnell ins Bad springt? Und wenn es nur zum gucken ist. Allerdings haben nicht alle Badesachen mit. Aber die kann man sich doch bestimmt dort ausleihen. Obwohl, eine Badehose hier ausleihen? Herpes vaginalis kommt mir wieder in den Sinn. Und Alex fällt gleich wieder die Geschichte mit der geliehenen Badehose ein. Die mit dem blauen Segelschiff über dem Genital, welches nicht gerade klein ist. Also das Schiff, nicht das Genital. Jäh aus unseren Erzählungen gerissen, steht auf einmal ein Geländewagen vor unserem Bus. Das muss er sein. Zwei Leute die aussehen als ob sie normalerweise solche Autos klauen und nicht reparieren steigen aus und nach kurzem mit Hand und Fuß reden geben sie uns Starthilfe. Nach einer Ewigkeit erwacht der potente V6 zum Leben. Also doch bloß die Batterie. Jetzt nur nicht den Motor wieder ausmachen. Nur so am Rande, es regnet immer noch. Wir machen uns auf nach Dolny Kubin. Dort wollen wir uns wieder einen Zeltplatz suchen.

Das klappt auch ganz gut. Es hat übrigens zwischenzeitlich mal aufgehört zu regnen. Nach 4 Tagen! Da das „schöne“ Wetter nicht so aussieht, als würde es uns lange beglücken, mieten wir uns auf dem Zeltplatz, der ein bisschen außerhalb der Stadt liegt, kurzerhand einen Bungalow. Hier gibt es sogar eine Heizung. Die Meute macht es sich in der Hütte gemütlich und nutzt die regenfreie Zeit um zum Beispiel die Zelte draußen zum trocknen aufzustellen. Während der ganzen Zeit läuft der potente V6 weiter. Ich und Alex fahren noch mal in die Stadt zurück um einzukaufen. Ich in meinem Dusel mache natürlich auf dem Lidl-Parkplatz (ja der Herr Schwarz ist auch bis hierher vorgedrungen) einfach mal den Motor aus. Schade dass ich in diesem Moment keinen Fotoapparat dabei hatte. Alex´ Gesichtsausdruck ist in diesem Moment wirklich goldig. Was wollen mir seine untertassengroßen Augen sagen? Eine Mischung aus nackter Panik und der Vermutung, dass ich jetzt wahrscheinlich vollständig den Verstand verloren habe. Wo er vielleicht nicht ganz falsch liegt. Irgendeine Stimme in meinem Kopf sagte: Dreh den Schlüssel um. Aber es ist schon eine Leistung unseren Reiseleiter aus seiner nicht enden wollenden überirdischen Ruhe zu bekommen. Nachdem ich diesen Moment versuche für immer in meinem Gedächtnis zu speichern drehe ich noch mal am Zündschlüssel in der Hoffnung, dass ICH nicht als nächster mit meiner ADAC-Karte in der Hand ein langes slowakisches Telefongespräch führen muss. Aber die gute alte Lady aus Wolfsburg lässt mich nicht im Stich. Nachdem ich Alex bei meiner Seele, meiner toten Oma und dem Augenlicht meines ungeborenen Kindes schwören musste so etwas nicht noch mal zu machen, traut er sich in den Laden um einzukaufen. Ich warte derweil mit natürlich laufendem! Motor auf seine tütenbepackte Rückkehr. Der Slowake schaut ein wenig komisch. Ein dunkler, verspiegelter Bus mit laufendem Motor direkt vor dem Eingang eines Lidl. Da können schnell Missverständnisse auftreten. Den slowakischen ADAC kennen wir ja bereits. Auf ein Treffen mit einem slowakischen Spezialeinsatzkommando habe ich momentan keine Lust. Aber die Slowaken beweisen mal wieder ihre Coolness und ich kann mit Alex und einem gut gefüllten Einkaufskorb zurück zum Zeltplatz ohne Untersuchung unserer Körper-öffnungen durch schwarz vermummte Männer. Dietmar und Christian haben auch schon wieder ganze Arbeit geleistet und überraschen uns mit einem der ILF Essensklassiker, dem OdNT. Den wollen wir an der Feuerstelle des Zeltplatzes verkasematuckeln. Hier is so schön romantisch. Und wir kommen endlich zur ersten Runde Mäxchen in diesem Urlaub. Die erste Runde gewinne sogar mal ich. Allerdings muss ich mir den Platz auf dem Treppchen mit Ingo teilen. Aber es gibt schlimmeres. Bei diesem einen Sieg sollte es dann auch bleiben. Danach gewinnen noch Volker und Christian, auch wieder beide auf dem obersten Treppchen und einmal, natürlich allein auf dem Treppchen, der Alex.

 

          

 

 

Fr. 19.9.

Heute soll der Velky Rozsutec erwandert werden. Der gehört zur Mala Fatra (kleine Fatra). Dazu müssen wir aber noch ein Stück mit dem Auto fahren. Der springt auch wieder an und Volker fährt uns zu unserem Einstiegspunkt für die Tour. Er bleibt heute zu Hause. Das mit seinen Knochen wird irgendwie nicht besser und da wir ihn nicht am Ende des Urlaubs hier lassen wollen (Entsorgungskosten würden die Urlaubskasse sprengen) ist es das Beste er legt mal einen Urlaubstag ein. Wir beginnen unsere heutige Runde mit einem recht knackigen Anstieg durch Wacholdersträucher, die nicht der Meinung sind, dass wir hier durch sollten und uns beziehungsweise unseren Hosenbeinen dieses auch recht deutlich zeigen. Auf dem Weg zum 1600 Meter hohen Velky Rozsutec haben wir, man soll es nicht für möglich halten, einen kleinen Moment lang so etwas wie Fernsicht. Es regnet also kurzzeitig nicht! Aber nur damit es sich danach umso mehr zuziehen kann. Unterhalb des Gipfels ist die Sicht gegen Null. Sämtliche Vegetation hier ist von einem Eis- und Schneepanzer überzogen. Sieht sehr witzig aus.

 

    

Die hiesige Flora hat wohl auch nicht mit so einem frühen Wintereinbruch gerechnet und ihr grünes Kleidchen noch angelassen. Auf dem Gipfel angekommen können wir leider wieder mal nichts sehen. Das ist sehr schade, von hier oben hat man bestimmt einen schönen Ausblick auf die umliegende Landschaft. Also schnell ein Gipfelfoto und schon werden wir von der nächsten Gruppe weggedrängelt.

 

 

 

Wir sind nicht die einzigen die hier oben die nebelige Aussicht genießen wollen. Dieser Berg scheint auch bei den Einheimischen sehr beliebt zu sein. Man kommt sich vor wie auf dem Mount Everest, so ein Gedrängel herrscht hier. Beim Abstieg hat der Slowake vor, dem Zustand nach zu urteilen, 100 Jahren ein paar einfache Ketten in den Berg geschraubt. Die helfen beim Abstieg.

 

 

 

Wir wollen eigentlich als nächstes eine Restauration ansteuern. Die sind aber auch hier in dieser Ecke sehr selten. Also laufen wir weiter. Also noch mal hoch. Wieder keine Hütte. Wieder runter wieder hoch und noch mal keine Hütte. So langsam geht die gute Laune flöten. Auch weil sich in den tieferen Lagen der Schnee zu Matsch verwandelt. Wir sehen aus wie die Pottsäue. Der Schlamm spritzt bis zu den Knien hoch. Nach gefühlten 16 Stunden kommen wir an den Punkt, wo wir uns mit Volker verabredet haben. Der treuste der Treuen steht auch schon da und erwartet uns. Er erzählt uns von einem sehr guten Restaurant wo er lecker gegessen und getrunken hat. Das hilft uns natürlich nicht weiter. Im Hungerwahn fallen uns auf der Rücktour wieder komische Sachen ein. Christoph rapt uns ein Lied vor. Icke und er „Rischtisch geil“. Dieses Lied kann man wunderbar umtexten. Bei uns wird daraus: Lange wandern ohne essen und trinken, rischtisch geil. Noch länger wandern ohne essen und trinken, och rischtisch geil. Also muss auf dem Rückweg noch mal an einem anderen Restaurant angehalten werden. Dort bekommen wir endlich unsere wohlverdiente Brotzeit. Dann zurück zum Zeltplatz. Es regnet übrigens wieder. Das erkennen wir daran, dass unsere Zelte die wir ja gestern zum trocknen aufgestellt haben wieder nass sind. Wir sind schon ne schlaue Truppe wa? Aber dafür haben wir ja eine Heizung im Bungalow. Allerdings ist die noch nicht an. Warum? Weil es noch nicht 20.00 Uhr ist. Denn erst um die Uhrzeit wird hier die Heizung angeschmissen. Das beinhaltet natürlich auch das warme Wasser. Also setzen wir uns auf unsere Betten und lassen unseren Gedanken freien Lauf. Wir kombinieren mal wieder alles mögliche was irgendwie rischtisch geil ist und andersrum aber trotzdem och rischtisch geil. Unsere beiden Küchenfeen bereiten derweil einen sehr schmackhaften Thunfischnudeltopf vor. Natürlich ohne dass dafür Delfine sterben mussten.

 

 

Unser Platz am Feuer wird aber heute von einer Horde wilder Tschechen belagert. Mit denen müssen wir uns heute also die Feuerstelle teilen. Bei der Menge an Alkohol die diese Truppe dabei hat (Anhänger!) sollten wir mit ihnen schnell per Du werden. Eine von denen spricht recht gut englisch. Volker ist also den Abend über beschäftigt. Der Typ, der vorhin schon die ganze Zeit eine große Flasche mit einer durchsichtigen Flüssigkeit am Hals hatte und jetzt hinter uns am Holzstapel hockt, mit dem Gesicht zwischen seinen Knien, ist auch beschäftigt. Da wir uns morgen früh in Richtung Prag aufmachen wollen passiert nicht mehr viel. Wir quatschen noch ein bisschen, schauen den Tschechen beim abstürzen zu und trinken unsere letzten Bierreserven aus, dann machen wir uns vom Acker.

 

 

Sa. 20.9.

Einpacken, rischtisch geil. Einpacken im Regen, och rischtisch geil. Also wieder nasse Zelte. Dank des verhandlungssicheren Business-Englisch von Christoph zahlen wir sogar noch weniger als ausgemacht. Auf die Forderung der Zepalei (Zeltplatzleitung) auch noch zusätzlich für das verbrauchte Holz an der Feuerstelle zu zahlen sieht man das auch der ähnlich der Reiseleitung immer coole Dr. Christoph durchaus mal aus der Reserve zu locken ist. Nicht nachgebend aber dabei immer charmant bleibend, verrechnet er bei der Zepalei das Feuerholz mit der zu spät und eigentlich auch nie wirklich warmen Heizung/Dusche. Beim nächsten Auto/Hauskauf solltet ihr Christoph dabeihaben.

 

 

 

Wir haben jetzt nur noch eine Nacht in Prag im Hotel AZ. Die Buchstabenkombination fordert es geradewegs heraus, dass wir daraus ein Hotel Anal Zentral machen. Unsere Fahrt nach Prag führt auch über eine slowakische Autobahn. Dass man dort Maut bezahlen muss, sagt uns ein netter Herr in Grün während einer Maut-Kontrolle. Das heißt für uns also Strafe zahlen. Fahrer und Beifahrer schwören uns aber hoch und heilig, dass nirgendwo auf diese, für Touristen wichtige Kleinigkeit hingewiesen wurde. Wir dürfen aber nachträglich per Überweisung zahlen. Mal sehen wie langsam die Mühlen in der Slowakei mahlen. Endlich in Prag angekommen finden wir einen Parkplatz direkt vor dem Hotel. Der Wenzelsplatz ist fußläufig zu erreichen. Wir sind also mitten in der Innenstadt. Hier stößt auch unser (dem aufmerksamen Leser ist es bestimmt aufgefallen) fehlendes Mitglied zu uns. Der Marc. Bei der Tour konnte er nicht dabei sein. Aber die Jubiläumsfeier wollte er sich nicht entgehen lassen. Er hat weder Kosten noch Mühen gescheut und ist mit dem Zug nach Prag gefahren und wir nehmen ihn mit dem Auto wieder nach Berlin mit. Ein Platz ist nämlich frei geworden, weil Ingo leider schon früher nach Berlin zurück musste. Wir haben ihn am Hauptbahnhof in Prag abgesetzt, in der Hoffnung dass er alleine durch seinen Geruch im Zugabteil viele neue Bekanntschaften macht. Im Hotel erhöhen wir das Durchschnittsalter enorm. Das ist hier eher was für junge Leute. Wir machen uns stadtfein. Das heißt auch, dass Alex mal nicht seine abgeschnittenen Tarnhosen mit darunter getragenen langen Männern anzieht. Dafür danken wir alle Gott. Pickfein und rausgeputzt suchen wir uns ein schnieckes Restaurant um nun endlich, nach getaner Arbeit, in besinnlicher Runde auf unser Jubiläum anzustoßen. Nach unzähligen Bieren, und zur Feier des Tages auch mal Cuba Libre, finden dann gegen Morgen auch die letzen das Hotel wieder und sinken in einen kurzen aber wohlverdienten Schlaf.

 

 

So. 21.9.

In einigen der gestern Abend mitgebrachten Bierdosen sind noch Pfützen drin. Die nehmen wir als Frühstück. Dann zum letzten mal Sitzplatz-Verlosung für den Wolfsburg Express und, als ob uns das Schicksal noch mal so richtig in die Fresse schlagen will, bei Sonnenschein! geht es zurück zum Headquarter. Die Abschiedsszenen dort werden auch jedes Mal herzzerreißender. Mensch Jungs, wir sehen uns doch spätestens nächstes Jahr wieder.

Und lassen uns dann mal woanders einregnen. Und zeigen dem Schicksal/Wetter mal wat ne Harke is, wa? Mein Fazit nach einer Woche nass sein:

 

Ein Leben ohne ILF ist denkbar…aber sinnlos.

 

Oder mit den Worten von Icke und Er: „Reiseleiter bei ILF sein, rischtisch geil. Medienverantwortlicher bei ILF sein, och rischtisch geil.

 

                 

 

  

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© 2008 Stefan Littmann