ILF Fuck-
Fichtelgebirge 2009
Schlucksobinaschaugstscho
von Stefan Littmann
Ebnath Hupfer: „Ich bin gewandert weit umher auf Gottes schöner Erden, ich sah die Länder, sah das Meer, doch keines wüsste ich nun mehr, das könnt verglichen werden dem Fichtelgebirg“ (Auszug aus dem Fichtelgebirgslied)
Für das gesamte ILF-Team. Danke, dass ihr immer an mich geglaubt habt.
Teilnehmer: Alex - Reiseleitung + Übersetzer
Dietmar - Koch + Essensträger
Marc - Beikoch + Fahrer
Stefan - Medien + Kassenwart
Ingo - Frühstückskoch + Müll
Reisezeit: 27.10.2009 – 1.11.2009
Reiseroute: Von Kirchenlamitz über Weißenstadt, Fichtelsee, Kösseine und Marktredwitzer Haus bis Wiesau
Die. 27.10.
Das alljährliche Treffen der Bekloppten ist wieder dran. Dieses Jahr in kleiner Besetzung und mit neuen Nickis. Der Müllverantwortliche weilt für ein Jahr in China und der Beikoch ist mit Umzug und neuer Arbeitsstelle beschäftigt. Also sind wir leider nur zu fünft. Obwohl es gerade um den Müllverantwortlichen schade ist. Geht es doch quasi fast an seinem Elternhaus vorbei. Diese Tour machen wir auch ein bisschen wegen ihm. Bei der Planung hat er uns noch versprochen „Da regnet es nicht, wenn ich das so will!“ Und das Verrückte: Er sollte recht behalten! Aber wenn die große weite Welt ruft, was sind dann schon Kirchenlamitz oder Wiesau im Vergleich zu Peking. Und wir sind uns alle einig, dort gehört ja mal so richtig aufgeräumt. Mülltechnisch. Und auch unseren Beikoch werden wir schmerzlich vermissen. Der Vorteil bei ihm ist, nach seinem Umzug kann er wieder an unseren „Vorbereitungs-treffen“ teilnehmen. Diese musste er auf Grund der Entfernung nämlich immer schwänzen. Also die vakanten Aufgaben schnell neu verteilt. Marc wird (Erfahrungen als Koch bei der Tour 2007) Beikoch, ich mache den Interims-Kassenwart und Ingo rutscht wieder einen Platz zurück zu den blauen Säcken und macht uns den Müllmann. Und erhält als zusätzlichen Anreiz die neue Aufgabe des Frühstückskochs. Wie diese Aufgabe genau auszusehen hat, weiß keiner so richtig. Wir hoffen auf seine Kreativität und ich kann euch schon jetzt verraten der Bengel hat ´ne Menge davon. Die anderen machen mehr oder weniger das, was sie sonst auch machen. Ich habe also wieder die bekannten Wahnsinnigen um mich herum.
Am Vorabend der Exkursion ist wieder Treffen im Hauptquartier mit Grillen und ehDl´s. Elektrolytehaltigen Durstlöschern. Aber es gibt kein normales Pils sondern das ILF-Wandervereinsbier. Eine Spezial-Abfüllung der Klosterbrauerei Neuzelle mit unserem Symbol auf der Flasche. Sehr passend zu schon oben erwähnten neuen Nickis. Die sind ebenfalls verziert mit unserem Logo, den jeweiligen Alias-Namen oder Aufgabengebieten der einzelnen Person. Ich sage ja, alles Wahnsinnige um mich herum. Wir sind jetzt auf dem europäischen Markt mit unserem einheitlichen Corporate Identity recht gut positioniert, wie ich finde. Schließlich schläft die Konkurrenz nicht.
Immer noch bitter im Magen (Quasi Magenbitter J) liegt mir die Hymne des BWV „Ode an die Votzen“. (Nicht was ihr jetzt denkt! Das ist eine Abkürzung für Vorsitzende.) Auf die haben wir bis heute keine passende Antwort gefunden. Vielleicht sollte man mal über ein ILF-Lied nachdenken… Habe ich schon die ILF-Aufnäher erwähnt, die jetzt jeder von uns auf dem Rucksack hat? Und dann stehen da auch noch ein paar andere Dinge auf dem Nicki, die es nicht lohnen hier erwähnt zu werden. Ganz schön viel Platz auf so einem Stück Stoff.
Ingo bekommt auf Grund fehlender Überreichungsgelegenheiten sein Nicki erst heute. Seine Augen können nicht größer gewesen sein, als er damals sein erstes Jungpionierhalstuch persönlich von der Vorsitzenden der Pionierorganisation Helga Labs überreicht bekommen hat. Aber genug der Geschenke, heute ist ja noch nicht Weihnachten. Jetzt geht’s schnell ins Bett, damit wir morgen ausgeruht sind.
Mi. 28.10.
Heute Morgen beweißt unser neuer Frühstückskoch schon erste Kreativität und besorgt uns beim Bäcker frische Schrippen und ein großes Brot. Den Rest für das Frühstück sponsert der Reiseleiter aus dem üppig gefüllten Familienkühlschrank. Ich hoffe wegen uns müssen jetzt Frau/Kind nicht hungrig zur Arbeit/Schule. Da wir diesmal kilometertechnisch nicht soweit müssen geht es erst gegen 8.30 Uhr los. Marc hat wieder die 75 PS Diesel-Rakete von Arbeit besorgt. Den kennen wir schon und er kennt unsere Rucksäcke. Das passt. In unserem Alter sind Veränderungen ja nicht mehr so leicht zu bewerkstelligen.
Es soll über die Autobahn A9 bis kurz hinter Hof gehen. Fahrer (Marc) und Beifahrer (meine Wenigkeit) beobachten angestrengt die zwei baufälligen Spuren der A9 während im Fond drei gelangweilte Herren irgendwie, irgendwo, irgendwann ein Frühstückspils und ein 32er Blatt finden und anfangen einen grundsoliden Skat zu kloppen. Zirka 90 Prozent der Partien beginnen so: Erster zum Zweiten „18“ Zweiter zum Ersten „Wech“ Dritter zum Ersten „Spiel“. Also Zocker sind es nicht gerade. Da ich als Beifahrer auch mal kurz nach hinten kiebitzen kann, sehe ich dass selbst meine Oma mit manchen der Blätter die Jungs Kreuz, Hand, Spitze, auf die Sieben, schwarz, zu Tisch und Stuhl gespielt hätte. Und dazu hätte sie noch nicht mal bis 21648 reizen müssen.
Na ja, ich widme mich lieber wieder meinem Frühstückspils und der belagstechnisch langsam besser werdenden A9. Denn wir dürfen unsere Abfahrt nicht verpassen. Und da sind wir auch schon. Das gute alte Münchberg Nord. Dort biegen wir links ab und schwuppdiwupp schon sind wir mitten im Fichtelgebirge. In Kirchenlamitz suchen wir uns gegen 12.00 Uhr einen Parkplatz für die weiße Rakete und dann soll es zur Einstimmung erst mal in die noch vom Auto aus gesehene erste Lokalität gehen. Wir sind im Land mit der höchsten Brauereidichte der Welt! Da gibt es schließlich einiges für uns zu entdecken. Wir hoffen, hier vielleicht ein Bier des berühmten Vulven-Bräu zu erhaschen. Das gibt es natürlich nicht. Es ist nur eine Halluzination auf Grund unserer Unterhopfung.
Brauereien mag es hier geben. Geöffnete Gaststätten nicht. Also wird nichts aus dem ersten Kontakt mit einheimischen Nahrungsmitteln nach deutschem Reinheitsgebot. Aber unser überaus weiser und vorausschauender Reiseleiter hat natürlich jedem noch 2 -mit ohne Pfand weil in Polen gekauft- Bierbüchsen in die Rucksäcke gedrückt. Also können wir erstmal loslaufen.
Es geht über den Fränkischen Gebirgsweg beziehungsweise Steinbruchweg zur Burg Epprechtstein mit ihrem hölzernen Aussichtsturm auf 798 Metern. Dort hat sich ein Wanderer mit großem Edding im Gepäck auf dem hölzernen Geländer verewigt. Da steht in großen Lettern „Wandern macht geil“. Ich schwöre, dass stand schon vorher da. Wir waren es nicht. Bei gutem Wetter kann man von hier aus bis nach Böhmen und Sachsen sehen. Apropos Wetter, das ist in diesem Jahr für unsere Verhältnisse als überirdisch gut zu bezeichnen. Laut Vorhersage tagsüber teilweise um die 10 Grad nachts kein Frost und bis Sonntag kein Regen. Das kennen wir so gar nicht mehr. Erwischt es uns doch jedes Jahr wenigstens einmal mit totalem Scheißwetter. Schon alleine deswegen ist mir das Fichtelgebirge irgendwie sympathisch. Und nach so vielen Eindrücken meldet sich auch schon der erste Hunger. Diesen stillen wir zünftig am Steinernen Tisch auch Luisentisch genannt. Er erinnert an die Prinzessin Luise, Königin von Preußen. Denn 1792 gehörte diese Ecke hier mal zu Preußen. Das passt. Bei Zubr-Bier (das polnische mit ohne Pfand) und Grasovka, beides mit Büffel auf dem Etikett, harren wir der Dinge die vom Koch kommen. Es kommen viele Dinge. Irgendwie hat der Koch vergessen, dass wir dieses Jahr zwei weniger sind. Mit den Portionen die er auftischt, hätte man locker sieben satt bekommen. Es gibt Nudeln mit Thunfisch, Zwiebeln und Kapern. Hmm lecker. Nachdem dann fünf Leute die Portionen von sieben geschafft haben, geht es weiter.
Unser nächster Aussichtspunkt ist der Waldstein und die Schüssel auf 877 Metern. Auch von hier noch ein recht angenehmer Weitblick wegen der guten Witterungsverhältnisse. Man kann von hier schon den Weißenstädter See sehen. Unser Ziel heute, denn wir haben ja heute nur einen halben Tag zum wandern. Dort hat der Reiseleiter auf dem Zeltplatz eine Reservierung für uns getätigt. Obwohl sich die Frage stellt, in wieweit eine Reservierung auf einem Zeltplatz zu dieser Jahreszeit nötig ist. Aber sicher ist sicher. Also schnell den Berg runter und ab nach Weißenstadt.
Das macht man über den „Jean Paul Weg“. Der 1763 in Wunsiedel (Oberfranken) geborene Schriftsteller heißt eigentlich Johann Paul Friedrich Richter. Er war ein begeisterter Wanderer. Aber nur, weil er nicht reiten konnte. Mit ihm verbindet uns einiges, wie ihr gleich sehen werdet. Zu seiner Zeit mehr gelesen als Goethe und Schiller verhindert seine sprachgewaltige Prosa und sein schwieriger Schreibstil heute eine breite Leserschaft. Dieses Schicksal teilt er mit mir ;-) Kleine Kostprobe:
„Nun tritt auch die Erdensonne auf die Erdengebirge und von diesen Felsenstufen in ihr heiliges Grab; die unendliche Erde rückt ihre großen Glieder zum Schlafe zurecht und schließet eintausend ihre Augen um das andre zu“. „Ich gehe jetzo hinaus und sink` an die sterbende Sonne und an die entschlafende Erde“.
Heute würde man sagen: Die Sonne geht unter. Was muss man geraucht oder getrunken haben, um so schreiben zu können?
Und dann hat er noch nebenher in seinem Roman „Dr. Katzenbergers Badereise“ quasi das Nordic Walking erfunden:
„Da wir Säugetiere in Rücksicht des Körpers ja Vierfüßer sind, muss nicht nur mit den Füßen, sondern zur selben Zeit auch mit den Händen gegangen werden. Die Oberfüße oder Arme als Mitarbeiter sind gleich stark auf- und abzuschleudern, weil dies den Puls um viele Schläge verstärkt.“ Nun machte der Doktor dem Fürsten und der ganzen Badgesellschaft den unehrerbietischen Gang mit gehenden Perpendikelarmen vor. „In der Tat“, sagte der Fürst lächelnd, „dies muss man versuchen, wenn auch nicht in großer Gesellschaft.“
Wir walken zwar nicht nordisch, aber was wir machen ist nicht weit weg davon. Außerdem lebte besagter Jean Paul von 1800 bis 1801 in Berlin. Also wieder eine nette erwähnenswerte Verbindung zwischen Jean Paul und uns. Nun aber genug der Prosa wir wollen schließlich einen Zeltplatz erreichen.
Das zum Zeltplatz gehörige Stadtbad, passender Weise in der Badstraße, empfängt uns mit fest verschlossenen Türen. Aber wer will schon flüssiges gechlortes von unten haben. Lieber wäre uns flüssiges gehopftes für die innere Anwendung. Also noch vor dem anmelden und Zelt aufbauen in die Zepaknei (Zeltplatzkneipe). Aber auch dort empfängt uns die Zepalei (Zeltplatzleiterin) mit den Worten. „Heute Urlaub“. Zepaknei is zu und bleibt es auch. Eure Zelte könnt ihr aber trotzdem aufbauen. Na toll. Jetzt wird es langsam eng mit den mitgebrachten Zubr- Büchsen. Warum haben wir eigentlich dieses Jahr Zelte mitgenommen? Zumindest was die Niederschläge angeht hätte man auch wieder ohne machen können. Na egal. Also jeder baut sein Zelt auf. Wobei Marc und Dietmar dieses Jahr in Marc´s 2er Lodge wohnen. Also stehen auf dem verwaisten Zeltplatz in Weißenstadt jetzt 4 Zelte mehr als vorher. Macht insgesamt vier Zelte. Da geht bestimmt noch so einiges diesen Abend.
Für unser Abendbrot, es gibt kalte Platte weil ja vorhin schon warm und reichlich, suchen wir uns eine Bank direkt am See mit Blick auf ein großes hell erleuchtetes Gebäude am anderen Seeufer. Wir vermuten, dass es sich hierbei um einen Hunde-Spa handelt. Später stellt sich heraus, es ist doch bloß das Kurzentrum. Aber trotzdem ist das hier eine sehr romantische Ecke. Also genau das richtige für uns. Wir bauen also unser Büffet (inklusive Kocher für den Jagertee!) auf. Die einheimischen neben uns schauen ein bisschen komisch. Es wird schon langsam dunkel und es ist wahrscheinlich wieder ein seltsames Bild, wie wir da zu fünft stehen, uns ´ne Stulle machen und darauf warten, dass das Wasser für den Jagertee kocht. Aber der Opa links von uns hat anscheinend schon schlimmeres erlebt, lässt er sich doch nicht beirren seinen Enkeln weiter das Skifahren ohne Schnee beizubringen. Um den See herum führt ein geteerter Weg der dafür sehr geeignet erscheint. Und die Rollski (?) also Bretter mit Rädern unten dran pfeifen ihr Lied jedes Mal wenn eines der Kinder an uns vorbeigerauscht kommt.
Nachdem alle Brote verspeist sind und der Tee die richtige Trinktemperatur erreicht hat, sitzt jeder mit seinem Becher schlürfend auf der Bank und schaut in die Sterne. Diese spiegeln sich im See und uns geht schon wieder das Herz auf. Was haben wir doch für ein Glück im Leben, solche Momente erleben zu dürfen. Es wird, wie nicht anders zu erwarten war, wieder die ein oder andere schmutzige Geschichte zum Besten gegeben. Wir erfinden ein neues Wort für die Art von Geschichte, in der es zum Schluss doch nicht zum Koitus kommt. Das sind ab heute Vortäusch-Fick-Geschichten.
Danach geht es wieder zurück zu unseren Zelten. Nee Moment, doch noch nicht. Irgendeiner (Marc?) kommt auf Idee noch mal in den Ort reinzulaufen. Irgendwo hier muss doch was los sein. Super Idee. Aber dem Reiseleiter scheint sie irgendwie zu gefallen, also gefällt sie auch uns. Also schnell das Abendbrot weggeräumt, die Taschenlampe und die Gemeinschaftskasse geschnappt und auf nach Weißenstadt Mitte. Eine Kneipe wird schnell gefunden.
Und siehe da wir sollten unser erstes einheimisches Bier bekommen. Na dann schauen wir mal. In der Kneipe sitzen noch drei weitere Gestalten und beschäftigen sich mit dem Spiel Frankfurt gegen Bayern München, welches im 17 Zoll Röhrenfernseher der Kneipe läuft. Hier trinkt man Michael-Bier. Recht so. Das wollen wir auch. Ergo werden durch Alex fünf Humpen bestellt. Die sind auch schnell gebracht und schon perlt ein frisch gezapftes fränkisches auf unseren Gaumen. Ahhh, welch Wohltat nach den heutigen Strapazen. Es hieß vorher auf ein Bier. Man muss kein Hellseher sein um zu wissen was passieren wird. Das erste ist noch gar nicht ganz weg, da wird auch schon das zweite bestellt. Hier drinnen ist es warm hier kann man es aushalten. Wir kommen schnell mit den anderen ins Gespräch und auch bei uns ergeben sich schon wieder Höhepunkte der Kneipenkonversation. Ein Thema sind Dietmars neue „Hosen“. Eigentlich sind es nur regendichte Überzieher für die Beine. Die sehen aus wie die Dinger die Reiter beim Rodeo anhaben. Es schallt also das ein oder andere Yippie oder Yippie Yea durch den Raum. Dann kommt Ingo mit seiner Geschichte vom Blitze-Schieß-Typ. Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung mehr wen er damit meinte. Vielleicht den Typ aus Star Wars Teil 7? Nach so viel Bier muss jetzt aber mal was anderes her. Der Reiseleiter erfragt einen ortsansässigen Schnaps beim Personal. Der empfiehlt Sorbus aucuparia. Also einen Vogelbeerenschnaps. Na da sind wir gespannt wie Gojko Mitic´s Flitzebogen. Dietmar schläft zwar schon mit dem Kopf auf dem Tisch, aber so lange er zum trinken noch kurz wach zubekommen ist, ist alles in Ordnung. Sorbus aucuparia wird genossen und für gut befunden und das fränkische Gold mit Namen Michael rinnt munter die Kehlen hinunter. Der Sorbus wird uns übrigens auf unserem Weg noch das ein oder andere Mal begegnen. Da unser Koch mittlerweile seine ihm um den Hals hängende Kopflampe sucht, denken wir ist es an der Zeit für uns zu gehen. Die Bayern gewinnen 3:0. Die noch anwesenden Franken, in diesem Moment auch mal Bayern sind’s zufrieden und ich als Interims-Kassenwart frage mich welche Getränke der Wirt auf unserer Rechnung vergessen hat. Bezahlen wir doch für alles zusammen nur 33 Euro. Das nenne ich preiswert saufen. Auf dem Rückweg am See entlang begegnen uns nicht wirklich viele Leute. Um genau zu sein, eine Frau sitzt für hiesige Verhältnisse mitten in der Nacht, alleine auf einer Bank am See. Auf was die wohl wartet? Bestimmt nicht auf uns. Wir huschen in unsere Zelte und sagen Gute Nacht.
Gehzeit: von 12.00 – 16.00 Uhr
Größte Höhe: 877 m
Meter hoch: m
Meter runter: m
Strecke: ca. 12 Km
Do. 29.10.
Gegen 08.00 Uhr sind alle mehr oder weniger freiwillig wach. Es gilt das erste Frühstück des neu ernannten Frühstücksministers zu erleben. Man kann hier wirklich von erleben sprechen. Was er uns an diesem Morgen bietet, macht einem Sternekoch alle Ehre. Ein Beispiel. Er hat für alle gekochte Eier mitgebracht! Wir sind wie gesagt mit Auto und Rucksack schon anderthalb Tage unterwegs. Die Eier sind so was von auf den Punkt gekocht, dass ich ihn frage, wie er das gemacht hat. Der Schlaufuchs hat ein „Kontroll-Ei“ mitgekocht und gleich gegessen, um zu sehen wie die anderen sind. Das nenn ich doch mal Kreativität. Und auch sonst fehlt es an nichts, was zu einem guten Frühstück dazu gehört. Mit vollen Bäuchen geht es dann weiter. Ich bezahle noch schnell unsere Übernachtung, wieder 33 Euro! Hier scheint alles 33 Euro zu kosten. Die Zepalei fragte mich beim zusammenrechnen aber noch ob wir denn alle über 18 sind?! Ich habe das mal mit ja beantwortet. Sie hat uns dann aber trotzdem noch einen Rabatt gegeben und noch zu unseren Gunsten abgerundet. Das muss an meinem unwiderstehlichen Charme liegen. Wenn es so weitergeht, bekommt noch jeder etwas aus der Reisekasse zurück.
Wir laufen wieder auf der Strecke von gestern Richtung Ort, weil wir noch einen Bäcker brauchen. Also kommen wir auch wieder an der Bank vorbei, auf der gestern die einsame Lady saß. Aber so einsam scheint es dann doch nicht gewesen zu sein, liegen doch überall benutzte Lümmeltüten umher. So machen die das also hier. Das soll uns nicht weiter interessieren. Wir suchen weiter unseren Bäcker. Auf Nachfrage wird uns gesagt: „Ihr müsst da lang, nur noch 100 Meter“. Nach niedrig geschätzten 500! Metern, wir sind mittlerweile schon wieder fast aus dem Ort raus kommt dann das vertraute gelb/rot eines europäischen Markendiscounters in unser Blickfeld. Und sogar mit richtigem Bäcker. Der nette Herr, den wir nach dem Weg fragten wollte uns also doch nicht verarschen. Beim Netto soll eigentlich nur Brot gekauft werden. Aber irgendwie ist ILF noch nicht ganz eingespielt. Da wir ja schon beim Bäcker sind kann ja auch gleich noch ein Kaffee getrunken werden. Aber die Leute werden sich nicht einig. Bei der Bestellung wird die Anzahl der gewünschten Kaffees immer geringer. Zum Schluss kommt Dietmar mit 2 Bechern raus (einer ist für ihn) und alle fragen für wen der zweite Becher ist?! Dann geht es mit Bier weiter. Marc soll 4 kaufen kommt aber mit fünf wieder?! Also sitzen jetzt fünf ausschließlich in schwarz oder Tarn gekleidete Herren um 10.00 Uhr früh vor dem Netto auf ihren Rucksäcken und versuchen insgesamt fünf Biere und zwei Kaffees auszutrinken. Sicherlich ein schönes Bild für die vorbeikommenden. Wir sind wie gesagt noch nicht so richtig eingespielt dieses Jahr. Ich bekomme aber von der netten Bäckerin, nachdem sie uns nach unserem Weg fragte, noch den Tipp wir sollen unbedingt über das Backöfele laufen. Wie passend für eine Bäckerin. An dieser Stelle eine schönen Gruß der Bäckerei Schaller in Weißenstadt. Wirklich sehr nette Bedienung dort.
Überhaupt muss man an dieser Stelle mal die Menschen dort erwähnen. Egal wen wir in diesen Tagen angesprochen haben oder wem wir begegnet sind, es waren ausnahmslos sehr nette, sehr hilfsbereite Menschen. Das hier ist wirklich eine Ecke wo man noch lieb zueinander ist. Das kennt man aus Berlin gar nicht mehr. Wir sind alle sehr positiv überrascht über den hiesigen Menschenschlag. Es geht natürlich alles auch ein bisschen langsamer. Ein wenig Klischee muss ja auch sein. Es kann dir also passieren, dass an der Netto-Kasse nur ein Kunde vor dir steht, du aber trotzdem 10 Minuten brauchst um wieder aus dem Laden zu kommen. Aber damit kann man leben. Nachdem alle Getränke getrunken sind soll jetzt mal wieder ein Stückchen gegangen werden. Also aufi zum Rudolfstein auf 866 Metern. Hier gibt es auch wieder eine Aussichtsplattform von der man einen wunderschönen Rundumblick hat. Kurz dahinter kommen wir an den 3-Brüder-Felsen vorbei. Eine eigenartig geformte Felsformation.
Überhaupt ist das Fichtelgebirge hier sehr charakteristisch. Es sieht aus, als ob man flache glattgeschliffene Steine übereinander gelegt hat. Ein Schild am Wegesrand klärt uns auf: Das sieht so aus, weil der Granit aus dem das Gebirge besteht durch bestimmte chemische und physikalische Prozesse auf eine bestimmte Art verwittert und dann diese eigenartigen Formen hinterlässt. Man spricht in diesem Fall auch von Wollsack- oder Matratzenverwitterung. Wieder was gelernt.
Bevor wir am Backöfele ankommen, machen wir am Wegesrand an einer Schutzhütte halt. Dort stehen zwei Holzbänke und ein Tisch. Man muss die Gelegenheiten nutzen, die einem der liebe Gott schenkt, denkt der Koch und beschließt, hier gibt es jetzt Mittag. Er probiert sich heute an Linsen 2.0. Unsere harsche Kritik letztes Jahr wegen der kalten Linsen hat ihn anscheinend doch tief getroffen. Heute sollen wir sie heiß bekommen. Das passt auch ganz gut, weht hier oben doch eine steifere Brise. Beim Essen kommt ein Pferd mit Reiterin bei uns vorbei. Sie lässt ihr Pferd kurz laufen und quatscht ein bißchen mit uns. Das wäre die Gelegenheit für Dietmar seine Rodeohosen mal passend auszuführen. Aber er kann sich zurückhalten und köchelt weiter an den Linsen. Und als ob heiße Linsen nicht genug wären, gibt es zum Nachtisch auch noch warmen Schokoladenpudding. Langsam wird mir unser Koch unheimlich. Erstens wo nimmt er all das Zeug her und zweitens wenn das so weiter geht, siehe auch heutiges Frühstück, kochen wir wirklich bald sternekochmäßige 3 Gänge Menüs mitten im Wald. Aber Essen und Trinken hält ja Leib und Seele zusammen.
Jetzt soll endlich das Backöfele mit daneben liegendem Schneeberg fallen. Ersteres entpuppt sich dann doch bloß als weitere Holzaussichtsplattform (allerdings noch von 1926) direkt neben dem Fernmeldeturm des Schneebergs. Dieser soll dann auch der metertechnische Höhepunkt unserer Reise sein. Wir sind auf 1051 Metern. Und damit auch auf dem höchsten Berg des Fichtelgebirges.
Von dort geht es zum Nusshardt (972 Meter). Der dritthöchste Berg im Fichtelgebirge. Hier oben sieht man so genannte Druidenschüsseln. Im Stein sind, ähnlich wie Schüsseln runde Mulden. Die einen sagen es sind Opferschüsseln für heidnische Kulthandlungen gewesen, die anderen meinen, dass es sich um besondere Verwitterungsformen im Granit handelt. Ich bin mal auf der Seite der letzteren. Von hier aus sieht man auch wieder den Fernmeldeturm auf dem Schneeberg. Das sind Luftlinie 1,5 Kilometer. Will sagen, immer noch gutes Wetter. Sonst könnte man den nicht mehr sehen. Den nächsten See sieht man auch schon von hier oben. Das ist der Fichtelsee und für uns Zeltplatz Nummer Zwei.
Auf dem Weg hinunter läuft uns aber noch das Seehaus über den selbigen. Ein Unterkunfts-haus vom Fichtelgebirgsverein. Und wer weilte hier am 1. Juli 1785? Richtig unser guter alter Goethe. Um dieses Ereignis entsprechend zu würdigen und um endlich mal wieder die Gelegenheit für ein frisch gezapftes zu nutzen, (ich frage mich was das mit der größten Brauereidichte der Welt soll, wenn man das Produkt nirgendwo erwerben kann. Geht das alles in den Export? Die offenen Kneipen, die uns dieses Jahr begegnet sind kann man an einer Hand abzählen und die muss nicht mal mehr alle Finger dran haben.) wird ein schönes kühles Scherdel bestellt. Da Alex uns auf Treu und Glauben versichert, dass es nur noch 10 Minuten zum Zeltplatz sind (Pionierehrenwort!) wird gleich noch eins bestellt. Und auch einheimische Brände sollen noch verkostet werden. Der Kellner scheint uns irgendwie nett zu finden und bringt uns Sitzkissen. Wir sitzen natürlich draußen auf Holzbänken. Sieht man uns unsere Hämorrhoidalleiden schon an? Wir nehmen sie dankend entgegen und genießen Stille, Natur und auch kurze Gespräche mit anderen Wandergruppen ergeben sich. Auch hier schlägt uns wieder eine Welle der Zuneigung entgegen. Ich kann nur wieder betonen, ein wirklich netter Menschenschlag hier. Wir verlassen das Seehaus leicht angeheitert in Richtung Fichtelsee.
Die vom Reiseleiter versprochenen 10 Minuten kommen ja mal so gar nicht hin! Aber wer ihm bei seinen Zeitangaben glaubt, ist selber schuld. Endlich am Zeltplatz angekommen herrscht bei der Rezeption etwas Verwirrung. Hat man doch um diese Jahreszeit keine fünfer Fußwandergruppe mit Zelt erwartet. Die nette Dame muss doch glatt ihren Chef anrufen, was sie uns nun berechnen soll. Wir schrammen nur ganz knapp an unserer 33 Euro-Marke vorbei. Dafür gibt es als Rechnung aber zwei Din-A4 Blätter. Na immerhin. Also schnell unsere Hundehütten aufgestellt und was zu futtern gesucht. Im Ort werden uns von der Zepalei der Schlumpf und der Storch empfohlen. Wir entscheiden uns dann aber doch für ein drittes Lokal. Dort gibt es Fisch– und Wildspezialitäten. Also genau unser Ding. Beim Essen werden die Probleme von Bio- und Chemielaboranten im einzelnen und im speziellen erörtert. Auch kein einfacher Job. Als Nachtisch empfiehlt uns die Kellnerin einen einheimischen Potentilla erecta! (potente Erektion?) Gemeint ist ein Blutwurz. Irgendwie versucht uns hier jeder seinen Schnaps anzudrehen. Aber es gibt schlimmeres. Der hiesige ist einer mit 60 % vol. Holla die Waldfee, wenn man davon nicht eine Erektion bekommt, was dann. Damit möchte ich mich nicht betrinken. Danach geht es schnaufend den Berg zum Zeltplatz hoch und ab auf die aufblasbaren. Da auch dieser Zeltplatz, abgesehen von zwei Hardcore-Dauercampern, leer ist haben wir viel Platz und können uns weeeit weg von Alex und Marc stellen. Ihr wisst schon, die beiden gehören zur Sägewerk-Fraktion. Nutzt aber auch nichts, in dieser Nacht höre ich sie trotzdem wieder „säuseln“.
Gehzeit: von 09.30 – 18.00 Uhr
Größte Höhe: 1051 m
Meter hoch: 500 m
Meter runter: 400 m
Strecke: ca. 13 Km
Fr. 30.10.
Der nächste Morgen, dieselben Gesichter. Alle haben überlebt. Das ist gut so. Der Frühstückskoch waltet seines Amtes während die anderen versuchen die Falten aus ihren Gesichtern zu prügeln. Gegen 09.00 Uhr geht es weiter. Diesmal bei dichter Bewölkung und vereinzelt Nebel. Wir laufen über die Platte. Ein weiterer Aussichtspunkt auf 885 Metern. Zum Gipfelkreuz will aber nur Ingo. Wir anderen warten so lange unten und beschäftigen uns mit den Resten des von gestern noch übriggebliebenen Obstlers. Danach geht es zum Prinzenfelsen mit der Prinzenhöhle, die auch Bierloch genannt wird. Jetzt nur noch die Hohe Matze mit 813 Metern erwandert und schon sind wir an der Hauptwasserscheide Europas zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Man was man hier alles zu sehen bekommt. Von hier zum Beispiel auch unser nächstes Ziel. Das Kösseine Haus. Eine Schutzhütte auf dem Gipfel der großen Kösseine auf 939 Metern. Dort sind wir wieder angemeldet. Da es jetzt erst 14.00 Uhr ist, nehmen wir dort nur schnell ein Erfrischungsgetränk, schaffen unsere Sachen aufs Zimmer und erwandern noch die nähere Umgebung der Kösseine. Da hätten wir zuerst den Burgstein. Hier bietet sich uns die Gelegenheit unseren mitgebrachten OdNt zu essen. Der ostdeutsche Nudeltopf, ein Klassiker der ILF Küche. Ein Tisch und zwei Bänke am Burgsteinfelsen helfen uns dabei. So gestärkt, laufen wir noch über den Kaiser-Wilhelm-Felsen und dann runter zur Luisenburg. Ein Freilichttheater mit Felsenlabyrinth. Das Labyrinth schenken wir uns, weil es schon spät ist. Auf dem Rückweg geht es über den Haberstein. Hier genießen wir den Sonnenuntergang mit einer Tasse heißen Glühwein mit Schuss. Ja so macht wandern Spaß. Nur müssen wir jetzt im Schein unserer Kopflampen zurück zum Haus. Gar nicht so einfach, wenn nur drei eine Lampe dabeihaben und bei einer auch noch die Akkus alle sind. Mein Fehler. Aber das Mondlicht hilft uns ein wenig.
Im Kösseine Haus angekommen wird erst ein Aperitif der hiesigen Brauerei genommen. Da noch nicht alle unten sind bestellen die ersten schon für die anderen mit. Aber unser Kellner beruhigt uns und versichert er ist schnell genug für unsere Bestellungen. Das beweißt er uns gleich mit den ersten Bieren. Er bekommt von uns den Spitznamen Powerzapfer. Und dann gibt es auch schon Abendbrot. Irgendjemand kommt dann auf die Idee noch mal einen Schnaps zu verkosten. Der Abend endet damit, dass wir uns durch die komplette Schnapskarte trinken. Unsere Kellnerin erzählt uns noch, das es einige dieser Getränke nur hier gibt und sie speziell für ihr Haus gebrannt werden. Wir wollen natürlich nicht unhöflich sein und lassen uns zu so eigenartigen Sachen wie zum Beispiel Schlucksobinaschaugstscho überreden. (Den hoats heruam scho immer gehm.) Der Name bedeutet soviel wie: Schluck ihn runter und dann schauen wir mal was passiert. Was bei uns passiert ist, dass wir immer lustiger und lauter werden. Auch die anderen anwesenden Gäste erfreut es. Danach gibt es dann noch eine Höchstädter sorbus aucuparia (eine Spezialität des Hauses!) gefolgt vom Sack-Kräuter, an den sich nahtlos der Unterthurner Waldler (gaans wos bsonders) anschließt auf den dann der Heidelbeerschnaps folgt. Und da man ja auf 25 Beinen nicht stehen kann bestellen wir als Scheidebecher noch nen Kümmel. Parallel zu den hochprozentigen werden natürlich Hopfen und Malz nicht vergessen. Denn auch die Bierkarte hier oben hält ein paar Überraschungen bereit. Wir kosten uns durch diverse Landbiere und Rauchbiere. Wonnesud sowie Wunsiedler Zwickl und Weißbier landen auf unserem Tisch. Wie wir nach all den Getränken aussehen, kann man sich vorstellen. Durch den erhöhten Alkoholpegel immer mutiger werdend, versuchen wir mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Bei dem Dialekt, den sie hier sprechen nicht ganz so einfach. Unsere Kellnerin hilft uns mit einem Buch aus, in dem Geschichten in Mundart noch mal extra in Hochdeutsch erklärt werden. Auch die anderen Gäste scheinen es (uns) lustig zu finden. Man hat das Gefühl, sie wären eigentlich schon längst wieder gegangen aber bleiben noch um uns zu beobachten. Es ist richtig Stimmung im Saal. Es werden Gruppenfotos gemacht und auch Gruppenumarmungen dürfen an so einem Abend nicht fehlen. Nur den Gruppensex lassen wir aus. Die vom Reiseleiter angekündigte (Pionierehrenwort!) schwedische Aerobic-Gruppe muss wohl irgendwie die Abfahrt verpasst haben und erscheint heute doch nicht auf der Hütte. Wir sind mittlerweile so blau das natürlich wieder nur Grütze bei unseren Gesprächen rauskommt. Oder versteht jemand folgenden Ausspruch des Kochs: „Vulven-Bräu ist die Bibel in Steno“. Oder noch ein Beispiel was Alkohol aus den Menschen macht: „Ein Hunde-Spa ist kein Wonderbra“. Diese Weissagungen müssen natürlich unbedingt auch den beiden fehlenden Mitgliedern kundgetan werden. Wir beschließen den beiden eine Postkarte zu schreiben. Jeder darf einen Satz schreiben. Auf der Postkarte sieht es zum Schluss ganz schön wild aus. Man kann nur hoffen die beiden können unsere geistigen Ergüsse verstehen. Kleiner Tipp: Es hilft wenn man vorher was getrunken hat. An diesen Abend werden wir uns sicherlich noch eine Weile erinnern. Für mich der Höhepunkt der diesjährigen Tour. An dieser Stelle noch mal ein Dankeschön an die netten Wirtsleute Familie Kropf. Allerdings ist jetzt nichts mehr mit 33 Euro Rechnungen. Wir hören auf, als es am schönsten ist. Sonst wird das morgen nichts mit weiterlaufen. Also ab in die Zimmer. Die Säusel-Zwillinge Alex und Marc teilen sich ein Zimmer und wir anderen drei teilen uns das zweite Zimmer. Netter Zug der beiden, nach eigenem Bekunden Nicht-Schnarcher. Allerdings verpasst das 3-Mann Zimmer ein Naturerlebnis. Fliegt bei Alex doch glatt noch ein Käuzchen durchs Zimmer (das ist ein Insider).
Gehzeit: von 09.00 – 19.00 Uhr
Größte Höhe: 945 m
Meter hoch: 700 m
Meter runter: 500 m
Strecke: ca. 20 Km
Sa. 31.10.
Am nächsten Morgen sind, wie nicht anders zu erwarten die Falten in unseren Gesichtern noch etwas tiefer. Und der ein oder andere klagt über Kopfschmerzen. Aber die Erlebnisse des letzten Abends möchte wohl keiner missen. Heute soll es bis zum Marktredwitzer Haus gehen. Also den Berg runter durch den Ort Kössain über den Heuberg bis in den wunderschönen Ort Drei Häuser. Der macht seinem Namen auch alle Ehre. Aber eines der drei Häuser hat eine Bierreklame. Da muss doch was zu holen sein. Wir schicken eine Vorhut hinein. Ingo soll mit seinem Charme versuchen fünf Bier zu bekommen. Er öffnet die Tür und verschwindet. Wir wollen schon ohne ihn weiter, da öffnet sich die Tür wieder und er gibt grünes Licht. Drinnen erwartet uns eine Oma die wahrscheinlich Jopie Heesters noch bei seinem ersten Bühnenauftritt 1921 live erlebt hat. Wir folgen ihr in die gute Stube. Es ist weniger eine Kneipe sondern sieht eher wie ein Wohnzimmer mit Theke aus. Aber sehr gemütlich. Und was entdecken unsere Augen als nächstes? Eine Rock-Ola Musicbox. Also eine Originale! Die wird natürlich sofort ausprobiert. Nur funktioniert sie nicht. Die nette Oma belehrt uns, dass diese natürlich! nur mit D-Mark! und nicht mit Euro funktioniert. Habe ich schon erwähnt, dass mir dieser Landstrich sehr gefällt? Wir bestellen also fünf Bier, tauschen! Euro in D-Mark und erfreuen uns an den Schallplatten (die schwarzen runden Dinger) von Nicole, dem Alpentrio, Peter Maffay oder den Flippers. Draußen scheint die Sonne, hach was ist die Welt heute wieder schön.
Im nächsten Ort angekommen nutzen wir auch schon wieder die nächste Kneipe für ein Pausenbier. Da uns bis jetzt nicht sehr viele Kneipen über den Weg gelaufen sind, wird jetzt jede Möglichkeit genutzt. Hier treffen wir auch einen der Gäste aus der vorigen Kneipe wieder. Die Welt ist ein Dorf. Er klärt uns auf, dass die Kneipe nicht mehr offiziell geöffnet ist und nur noch hin und wieder von den Dorfbewohnern genutzt wird und wenn Oma mal nicht mehr ist, diese komplett geschlossen wird. Wir lassen uns für den Weg noch ein Bier mitgeben und ich wundere mich wieder über die niedrige Rechnung. Der Kellner meint noch, ab hier wird das Bier immer billiger. Uns kann es recht sein und wir laufen weiter. Die ersten verspüren Hunger, also wird eine Mittagsrast auf einer Wiese eingelegt. Koch und Beikoch zaubern uns heute Bratkartoffeln mit Ei. Ein Traum. Dann geht es über den Oberpfalzturm (ein 35 Meter hoher Aussichtsturm aus Holz), wir haben inzwischen von Oberfranken in die Oberpfalz rüber gemacht, zur Burgruine Weißenstein aus dem 13. Jahrhundert. Ein würdiger Rahmen für unsere nächste Rast. Wir erklettern aber vorher noch die Burg und genießen die Aussicht. Hier soll nun das Kompott gereicht werden. Es gibt warmen Pudding und Holundertee mit Schuss. Nun soll es aber endlich zum Marktredwitzer Haus gehen. Nach nur 1 mal verlaufen haben wir dann auch das gefunden. Es erwarten uns fränkisch/böhmische Küche und eine sehr nette Kellnerin namens Lenka. Einige von uns machen etwas Kültür und versuchen den Dreck der letzten Tage vom Körper zu waschen oder legen sich noch ein paar Minuten auf´s Ohr. Ich bin heute mal Schwein und gehe gleich in die Gaststube bestelle fünf Pils, ja die anderen kommen gleich und lasse mir von Lenka die Spezialitäten des Hauses empfehlen. Diesmal sind es keine Schnäpse sondern Haxn. Die empfiehlt sie mir aber gleich zu reservieren, weil sie nur noch vier Stück davon hat. Die bekommen gleich mal meinen Stempel. Nach und nach trudeln die anderen ein und wir lassen es uns bei Haxe und Schweinsbraten gut gehen. Nach dem Essen kommt es wie es kommen muss, wir bestellen noch einen Verdauer. Der ist heute mal aus Pflaume. Aber irgendwie läuft es heute nicht so gut. Der gestrige Abend steckt uns allen noch in den Gliedern (Köpfen) wir machen etwas langsamer und beschließen den Abend mit einem gepflegten Mäxchen-Spiel. Gegen Ingo ist dieses Jahr kein Kraut gewachsen. Er dominiert den heutigen Abend und gewinnt eine Partie nach der anderen. Heute mal weit hinten abgeschlagen der sonst so starke Alex. Dicht gefolgt von Dietmar. Das Mittelfeld teile ich mir mit Marc. Da wir morgen noch einen Zug bekommen müssen, der uns zu unserem Auto zurückfährt geht es früh in die Kojen.
Gehzeit: von 09.00 – 17.00 Uhr
Größte Höhe: 946 m
Meter hoch: 500 m
Meter runter: 650 m
Strecke: ca. 14 Km
So. 1.11.
08.30 Uhr Frühstück bei Lenka. Nach einer sehr netten und herzlichen Verabschiedung geht es über Hackelstein und Fuchsmühl nach Wiesau zum Bahnhof. Dachten wir. Trotz zweimaliger Nachfrage finden wir Wiesau nicht und laufen Gefahr, unseren Zug zu verpassen. Aber wer wird denn so schnell aufgeben. Die von uns, denen Gott lange Beine beschert hat, also unsere beiden Marathon-Männer Alex und Ingo erklären sich bereit ohne Gepäck zum Bahnhof zu rennen! Um so zu versuchen unseren Zug noch zu erreichen um uns dann mit dem Auto wieder abzuholen. Hört sich komisch an, das geht aber unter dem Strich immer noch schneller, als wenn wir alle langsam zum Bahnhof trotteln, so wir ihn denn finden, und dann einen Zug später nehmen. Das heißt für Marc, Dietmar und mich (Kurzbeinfraktion) zwei zusätzliche Rucksäcke zu schleppen. Auch keine so leichte Aufgabe. Aber immer noch besser, als sich jetzt die Lunge aus dem Leib zu rennen. Aber all unsere Anstrengungen sind vergebens. Unsere beiden Läufer finden zwar den Bahnhof und können den abfahrenden Zug quasi noch berühren, aber es reicht nicht ganz zum Aufspringen. Na gut, dann halt Plan B. Sie bestellen ein Großraum-Taxi und wir machen per Telefon im Ort einen Treffpunkt aus. Die erste Tankstelle. Die drei Packesel wackeln also gemächlich in Richtung Wiesau und irgendwann kommen wir da auch an. Ich bereite mich auf eine lange Wartezeit vor, da kommt auch schon ein T5 um die Ecke gerast mit Alex und Ingo an Bord. Also Säcke hinein und ab nach Kirchenlamitz, wo unsere weiße Rakete auf uns wartet. Die Taxifahrt schlägt mit wesentlich mehr als 33 Euro zu Buche. Aber dafür kommen wir auch heute noch wieder zu Hause an. Auf der Rückfahrt machen wir dann noch auf einer Tankstelle eine kleine Rast und entscheiden bei Leberwurststullen (die Reste des Frühstückskochs) und Mönchshof Bier das es dieses Jahr trotz des Fehlens zweier wichtiger Stützen des ILF eine gelungene Reise war. Wir erlebten herzliche Gastfreundschaft, einen offenen, hilfsbereiten Menschenschlag und die Gegend hat allen gefallen Auch die Brauereidichte ist ausreichend, nur an der Kneipendichte sollte man meiner Meinung nach noch etwas arbeiten ;-) In diesem Sinne: Schluck´s runter und schau mal was passiert.
Brutto Tourenzeit: 30 Stunden
Maximale Höhe: 1051 m
Summe Meter hoch: ca. 1700 m
Summe Meter runter: ca. 1550 m
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© 2009 Stefan Littmann